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Transcript for Lessig German interview re Copyright

Time Content
00:00 → 00:03

[METROPOLIS]

00:03 → 00:06

[♫ Elektronische Musik ♫]

00:06 → 00:07

Creativity

00:07 → 00:08

always

00:08 → 00:09

builds

00:09 → 00:10

on the

00:10 → 00:11

past

00:11 → 00:14

[♫ Elektronische Musik ♫]

00:14 → 00:18

Das EU-Urheberrecht sollte die Verfassung des digitalen Zeitalters werden.

00:18 → 00:22

Doch Kritiker sehen darin vor allem die Interessen der Medienverwerter gesichert.

00:22 → 00:25

Der Copyrightschutz reicht bis in die privaten Aktivitäten,

00:25 → 00:28

dabei wurde Kultur doch schon immer übernommen und verändert,

00:28 → 00:30

also: gesampelt.

00:30 → 00:33

Ein Thema, das unsere Aufmerksamkeit verdient.

00:35 → 00:39

Wir wissen, dass alles sozusagen umsonst ist in diesem Zeitalter, oder umsonst sein kann,

00:39 → 00:43

aber wir wissen auch, dass es nicht umsonst sein darf, weil dann nichts Neues mehr produziert wird.

00:43 → 00:48

Also, bezahlen wir doch lieber, was angemessen ist und finden gemeinsam heraus,

00:48 → 00:50

was denn für uns als angemessen funktioniert.

00:50 → 00:51

[♫ Elektronische Musik ♫]

00:51 → 00:56

Als Filmproduzent hat sich Cay Wesnigk durch alle Tücken des Urheberrechts gekämpft.

00:56 → 01:00

Ein Macher-- "C'est la vie" --der nach praktikablen Lösungen sucht.

01:01 → 01:02

[Lawrence Lessig, Jurist Stanford University]

01:02 → 01:07

Zur Zeit ist es für normale Leute unmöglich kreativ zu sein und dabei geltendes Recht einzuhalten,

01:07 → 01:12

es sei denn, man geht in die Landschaft und filmt Vögel oder so etwas und hofft darauf,

01:12 → 01:14

dass die dann keine bekannten Melodien pfeifen.

01:14 → 01:16

[♫ Elektronische Musik ♫]

01:16 → 01:21

Wie die Medienlobby das Urheberrecht zur Einschränkung des freien Internets nutzt

01:21 → 01:25

und was das mit Kultur zu tun hat, wird uns Lawrence Lessig erklären.

01:25 → 01:28

Autor und Anstifter einer neuen Internetkultur.

01:28 → 01:31

[♫ Elektronische Musik ♫]

01:31 → 01:35

Vielen Künstlern wäre ein viel freierer Umgang mit ihren Werken sogar ganz lieb,

01:35 → 01:36

[Meik Michalke, Initiator Open Musik Contest]

01:36 → 01:38

weil sie dadurch nämlich an Bekanntheit gewinnen.

01:39 → 01:42

Meik Michalke und der AstA der Universität Marburg.

01:42 → 01:48

Sie zeigen wie unkompliziert und wirkungsvoll sich alternative Lizenzmodelle im Internet verbreiten,

01:48 → 01:49

und was das bringen kann.

01:49 → 01:50

[gema haccen. Für Solidarität und freie Bildung.]

01:50 → 01:55

[♫ Musik ♫]

01:55 → 02:00

Doch zunächst zu Cay Wesnigk und seinen Erfahrungen mit dem Urheberrecht als freier Filmproduzent.

02:01 → 02:05

'Zwei Herzen, ach, hab ich in meiner Brust', einerseits bin ich ja selber Urheber und möchte davon leben

02:05 → 02:10

und möchte auch, dass mein Urheberrecht respektiert wird, andererseits sagt man im Urheberrecht immer:

02:10 → 02:11

[Cay Wesnigk, Filmproduzent]

02:11 → 02:14

Wir stehen alle auf den Schultern von Riesen, d.h. es gab Leute vor uns.

02:14 → 02:20

Und ich denke wir müssen Lösungen finden, dass man Dinge, die einmal veröffentlicht worden sind verwenden kann,

02:20 → 02:24

gegen Zahlung. Diese Zahlung muss angemessen sein und sie muss auch begrenzt sein.

02:25 → 02:32

Bis 70 Jahre nach Ableben des letzten Urhebers dauert in Europa die gesetzliche Schutzfrist für ein Werk.

02:32 → 02:37

Erst dann wird es gemeinfrei, vorrausgesetzt es gibt keine Erben oder Verwerter.

02:38 → 02:43

Mindestens zwei Generationen also werden kreativ zunächst einmal ausgebremst.

02:43 → 02:47

[♫ Musik ♫]

02:47 → 02:53

Wer wie Cay Wesnigk aus Archivequellen schöpfen will, etwa um zu zeigen wie sich das dritte Reich in Propaganda

02:53 → 02:58

und Filmkunst spiegelt, der braucht neben Ausdauer vor allem Eins: Geld bzw. Kredit.

02:59 → 03:02

Die Leute, denen das gehört denken immer, sie sitzen auf einem Sack voll Gold und das ist wahnsinnig schwierig.

03:03 → 03:06

Das ist eigentlich eine Enteignung der Wirklichkeit und der Vergangenheit.

03:06 → 03:11

Wir als Künstler können kaum damit arbeiten, weil die Preise einfach exorbitant sind.

03:11 → 03:15

Und dann kommt erschwerend hinzu, wenn dann noch Musik dabei ist, dann wird es nochmal teurer.

03:15 → 03:17

[♫ Musik ♫]

03:17 → 03:24

Wie bei 'Hitlers Hitparade' zum Beispiel. 12 Jahre hat Wesnigk in die Rechteklärung und Fianzierung des Films investiert.

03:24 → 03:28

Für eine einmalige Ausstrahlung wohlgemerkt, übrigens auf ARTE.

03:28 → 03:35

Und wir? Wir zeigen keinen Ausschnitt! Denn auch Metropolis kann sich Lizenzgebühren nur begrenzt leisten.

03:36 → 03:40

Nach der Austrahlung auf Arte, das war das Einzige was ich klären konnte, mit dem Etat, den ich hatte,

03:40 → 03:47

wurde der Film von Piraten auf eine Webseite gestellt. Da ist er bis heute 34.000 mal angeklickt worden.

03:47 → 03:53

Keiner hat was davon gehabt. Ich nicht, die beiden Regiseure nicht und die Urheberrechtinhaber

03:53 → 03:56

der vorbestehenden Werke, also aus der Film aus dem wir geklammert haben, schon lange nicht.

03:56 → 04:00

Aber auch die ganzen Leute, die diese Rechte verwalten, haben nichts davon gehabt.

04:00 → 04:06

Und das ist für mich die normative Kraft des Faktischen. Da sollten die doch lieber vielleicht sagen:

04:06 → 04:12

Okay Wesnigk, wir machen da mit. Verkauft den Film lieber und dann kriegen wir eben, analog was in dem Film von uns drin ist,

04:12 → 04:13

auch einen kleinen Teil ab.

04:13 → 04:14

[♫ Musik ♫]

04:14 → 04:17

Szenenwechsel in die Welt der neuen Technologien.

04:17 → 04:25

Längst hat die digitale Revolution die Kinderzimmer erreicht und 12-jährige zeigen ihren Eltern was da so alles geht.

04:25 → 04:30

Blogs und YouTube. Produzieren nämlich statt Konsum.

04:30 → 04:34

Wer aber vermittelt den Gesetzgebern, was da kulturell mit in Bewegung kommt?

04:34 → 04:39

Allzu oft die Interessenverbände der Medien, die bereit sind die jungen User als Netzpiraten zu kriminalisieren.

04:39 → 04:41

[Lawrence Lessig, Begründer creative commons]

04:41 → 04:47

Ich glaube, die Gesetze, die wir jetzt haben, hat keiner richtig durchdacht. Es gibt einen Haufen Branchen, die in Panik geraten sind

04:47 → 04:51

und klammern so fest wie Sie nur können. Obendrein rechtfertigen sie das Moralische indem sie so tun,

04:51 → 04:55

als sei das was unsere Kinder tun, zutiefst unmoralisch.

04:55 → 05:00

Dabei ist die Art wie unsere Kinder mit Kultur umgehen grundsätzlich genauso wie du und ich mit Kultur umgegangen sind

05:00 → 05:04

als wir in dem Alter waren. Nur, dass sie neue Technologien haben und wir hatten die nicht.

05:04 → 05:08

Worauf wir uns also konzentrieren sollten ist, wie wir die kommende Generation befähigen

05:08 → 05:11

kreative Unternehmer und Schöpfer zu werden.

05:11 → 05:15

[♫ Musik ♫]

05:15 → 05:18

Auch er könnte ein Herausforderer der Mediengiganten werden.

05:20 → 05:25

Mein Piratenkind. Ein Kameramann. Willst du ins Fernsehn?

05:25 → 05:27

[Wanna work together?]

05:27 → 05:33

Die so genannten 'creative commons'. Ein von Lawrence Lessig entwickeltes Lizenzmodell zeigt,

05:33 → 05:37

dass gerade durch das Internet ein alternativer Umgang mit geistigen Eigentum möglich ist.

05:37 → 05:42

Die Grundidee: Der Urheber behält sich nur einige der Recht vor.

05:42 → 05:49

Mit dem 'creative commons' kann also jeder selbst bestimmen, ob beispielsweise Verbreitung und Kopie erwünscht,

05:49 → 05:50

Remix und kommerzielle Nutzung aber ausgeschlossen werden.

05:50 → 05:57

Ein einfacher und verbindlicher Weg wie kreative Köpfe Wissen und Ideen untereinander austauschen können.

05:57 → 06:01

Wir versuchen damit das kulturelle Umfeld zu verbessern,

06:01 → 06:07

indem wir Wege aufzeigen, wie man Ideen miteinander teilen und weiterentwickeln oder ganz neu aufbauen kann.

06:07 → 06:11

Und zwar mit einem Minimum an Gesetzen. Das ist die Grundidee für freie Kultur.

06:16 → 06:17

Die kleine Revolution steht vor der Tür.

06:17 → 06:18

[♫ Musik ♫]

06:18 → 06:23

♫ Wird immer größer in den letzten Jahren. Ich glaube, fast nur deswegen sind wir heute hier. ♫

06:23 → 06:26

[♫ Reggae ♫]

06:26 → 06:31

Um freie Kultur, geht es auch der Band 'Jammin Ink', die immer unter freier Lizenz veröffentlichen.

06:31 → 06:34

Sie wurden vom AstA Marburg eingeladen.

06:34 → 06:40

♫ Mein geistiger Eigentum. Sein geistiger Eigentum. Sein geistiges Eigentum. ♫

06:40 → 06:51

♫ Für euch als Geschenk ohne, dass sich jemand dazwischen drängt. Gebühren erhebt, so ist die Welt wie sie wirklich lebt. ♫

06:51 → 06:52

[♫ Hip Hop ♫]

06:52 → 06:56

♫ Revolution, balle deine Faust in der Luft! Revolution, ... ♫

06:57 → 07:02

Eine Botschaft, die was bewegen will. Denn je mehr User sich den Vereinbarungen der 'creative commons' anschließen,

07:02 → 07:05

umso selbst bestimmter bleibt das Netz.

07:06 → 07:08

Macht euch schlau! Kuckt euch an, was da passiert!

07:08 → 07:09

[Meik Mischalke, Initiator OpenMusicContest]

07:09 → 07:12

Lasst das nicht in irgendwelchen Hinterzimmer im Bundestag passieren

07:12 → 07:18

und wartet bis ihr eine Abmahnung vom irgendeinem Anwalt bekommt, weil ihr ein Liedtext, den ihr toll fandet

07:18 → 07:24

auf eure kleine Homepage gestellt habt. Sondern macht euch damit vertraut, was da passiert und was geht.

07:24 → 07:28

Schaut euch auch die Alternativen an, die bestehen!

07:28 → 07:30

[♫ Musik ♫]

07:30 → 07:34

Damit der Funke weiterspringt, haben die Marburger zu einem Musikwettbewerb aufgerufen.

07:34 → 07:38

Teilnahmebedingungen: Gute Musik unter freier Lizenz.

07:38 → 07:42

Die besten kamen auf einen CD-Sampler und Lawrence Lessig übernahm die Schirmherschaft.

07:43 → 07:45

Wenn ich die Lizenz nenne, kann ich sie in meinen Blog stellen.

07:45 → 07:49

[♫ Ska ♫]

07:49 → 07:56

Und von dort aus, jamen jetzt die 'Ska and Peace' dem entspannten Publikum entgegen. Von Blog zu Blog. Von Podcast zu Podcast.

07:56 → 07:58

Da ganz legal durchs Internet.

07:58 → 08:04

Das sich, so der Plan, über das kleine Doppel c, der 'creatives commons' als freie Kultursphäre behaupten kann.

08:04 → 08:06

So fern genügend Menschen mitmachen.

08:06 → 08:07

[♫ Ska ♫]

08:07 → 08:13

Für junge Bands wie 'Cellar Door' kann dieser Weg lohnender sein, als der übliche Knebelvertrag mit der Musikindustrie.

08:13 → 08:14

[♫ Hip Hop ♫]

08:18 → 08:20

Zurück zum Film.

08:20 → 08:23

Zu viele Filme schlummern ungesehen in den Archiven.

08:23 → 08:30

Einerseits, weil kaum einer die teuren Lizenzgebühren zahlen will und kann. Andererseits, und das ist hart für die Branche,

08:30 → 08:34

weil eben immer mehr Menschen das Medium Internet bevorzugen.

08:34 → 08:37

Gerade weil sie dort jederzeit ihr eigenes Programm zusammenstellen können.

08:37 → 08:39

[♫ Musik ♫]

08:39 → 08:45

Deswegen entsteht jetzt ONLINEFILM.org. Eine Plattform, auf der ab Herbst Dokumentarfilme abzurufen sind.

08:45 → 08:51

Gegen kleine Münze, wie Cay Wesnigk, der Initiator versichert und die landet direkt bei den entsprechenden Urhebern.

08:51 → 08:54

[♫ Elektronische Musik ♫]

08:54 → 08:57

Man muss für die digitale Nutzung von Gütern eben auch was bezahlen.

08:57 → 08:58

[Cay Wesnigk, Filmproduzent]

08:58 → 09:01

Man muss es auch bezahlen, obwohl man es einen Mausklick entfernt sich sozusagen klauen kann.

09:02 → 09:06

Ja, aber mit der Schokolade, die man im Fair Trade kaufen kann, ist das ja auch so eine Sache.

09:06 → 09:12

Die kann man nicht eben nur einmal aufessen, dann ist sie weg. Aber mit diesem Film, die kann man kopieren und kopieren

09:12 → 09:16

und kriegt sogar von seinen Kumpels noch auf die Schulter geklopft, weil man sie fleißig in die Piratenbörsen einstellt.

09:16 → 09:19

Das kann man mit der Schokolade nicht machen. Die kann man nur einmal essen.

09:19 → 09:23

Und deswegen müssen wir da einfach ein Bewusstseinswandel schaffen und da hängt es mit zusammen,

09:23 → 09:27

dass wir eine Prozessgerechtigkeit herstellen. Prozessgerechtigkeit heißt die Künstler

09:27 → 09:30

und die Leute die es gemacht haben und wirklich aufgewendet haben, sollen was ab bekommen,

09:30 → 09:32

aber es muss nicht Over-the-Top sein.

09:32 → 09:37

Wenn ich das Gefühl habe ich werde beschissen als User -ich bezahle viel zu viel- dann klaue ich.

09:37 → 09:39

[♫ Hip Hop ♫]

09:39 → 09:47

♫ Revolution! In Berlin und überall auf der Welt! Mann, was geht ab? Oh yes! ♫

09:47 → 09:52

Wenn die Medienindustrie nicht aufwacht, und vor allen Dingen die Künstler nicht bald aufwachen

09:52 → 09:55

und die Notwendigkeit einer grundsätzlichen Reform erkennen und auch durchsetzen,

09:55 → 10:00

wird es eine Revolution geben, die das gesamte Urheberschutzsystem vom Tisch fegt.

10:00 → 10:05

Das Klammern der Industrie an das System erinnert an die Sowjetunion von 1988.

10:05 → 10:10

Ihr stures Beharren ist auf grimmige Verleugnung der Wirklichkeit gebaut.

10:10 → 10:13

[♫ Elektronische Musik ♫]

10:13 → 10:15

Kultur wächst mit den Generationen.

10:15 → 10:19

Das Copyright auf unsere Zukunft gehört uns.

10:19 → 10:20

Mehr Infos auf unserer Internetseite.

10:20 → 10:21

[METROPOLIS]