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Transcript for Grundeinkommen

Time Content
00:06 → 00:13

Grundeinkommen

00:14 → 00:18

Grundeinkommen Kulturimpuls

00:18 → 00:23

Ein Film Essay von

00:23 → 00:29

Daniel Häni und Enno Schmidt

00:39 → 00:44

Ein Einkommen ist wie Luft unter den Flügeln.

00:44 → 00:48

Mit dem Grundeinkommen würde Einkommen zum Bürgerrecht.

00:49 → 00:51

Willkommen – auf der Erde.

00:54 → 00:58

Ein Einkommen hat heute jeder – mehr oder weniger.

00:58 → 01:01

Sonst – könnte er gar nicht leben.

01:01 → 01:04

Die frage ist: unter welchen Bedingungen?

01:04 → 01:07

Wie erhalten die Menschen heute Ihr Einkommen?

01:10 → 01:13

4 von 10 Deutschen erhalten Ihr Einkommen,

01:13 → 01:16

weil sie einer bezahlten Arbeit nachgehen,

01:16 → 01:20

einer Arbeit, mit der man seinen Lebensunterhalt erwerben kann,

01:20 → 01:22

einer Erwerbsarbeit.

01:22 → 01:27

Knapp 3 von 10 erhalten Ihr Einkommen von den Angehörigen,

01:27 → 01:29

vor allem Kinder und Jugendliche.

01:30 → 01:34

Gut 2 von 10 leben von Rente oder Pension.

01:34 → 01:39

Und weniger als 1 von 10 lebt von Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe.

01:40 → 01:43

Alle Einkommen werden erwirtschaftet.

01:46 → 01:51

Aber nur 41% der Bevölkerung gehen dafür einer Erwerbstätigkeit nach.

01:52 → 01:54

Alle anderen haben andere Einkommen.

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Sogenannte Transfereinkommen – Einkommen,

01:58 → 02:01

die nicht unmittelbar mit Arbeit verbunden sind.

02:01 → 02:05

So fremd dürfte uns ein Grundeinkommen also gar nicht sein.

02:05 → 02:09

Fremd ist uns die Bedingungslosigkeit.

02:10 → 02:15

Aber wie zeitgemäß sind heute die Bedingungen für ein Einkommen?

02:15 → 02:18

Peter Ulrich: Wenn wir nicht ganz blauäugig sind,

02:18 → 02:22

müssen wir wahrscheinlich davon ausgehen,

02:22 → 02:25

dass der Arbeitsmarkt

02:25 → 02:29

die Leistung der sozialen Integration

02:29 → 02:33

für alle Menschen nicht mehr erfüllen können wird in Zukunft.

02:34 → 02:36

Und wenn man die zweite Option,

02:36 → 02:38

das Grundeinkommen, ausblendet,

02:38 → 02:41

dann zwingt uns das dazu,

02:41 → 02:43

alles auf die Karte

02:43 → 02:45

„Wirtschaftswachstum“ zu setzen,

02:45 → 02:46

um jeden Preis.

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Und so ist es realpolitisch heute.

02:50 → 02:54

Von ganz recht bis ganz links und zurück

02:54 → 02:59

rufen alle nach Wirtschaftswachstum.

02:59 → 03:04

Das heißt, man denkt in Quantität

03:04 → 03:09

und verdrängt damit die Chance, qualitativ

03:10 → 03:14

neue und höherwertige Organisationsmodelle

03:14 → 03:17

für unsere Gesellschaft zu entwerfen.

03:17 → 03:21

Wirtschaftswachstum heißt heute aber auch nicht mehr,

03:21 → 03:24

dass dabei mehr Arbeitsplätze entständen.

03:24 → 03:28

Unter dem Strich ist das Gegenteil der Fall.

03:30 → 03:34

Eine Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum bleibt allerdings,

03:34 → 03:36

dass kaufkräftige Nachfrage da ist.

03:36 → 03:40

Das heißt, dass die Leute Geld in der Tasche haben.

03:41 → 03:46

Was hält Klaus Wellershof, Chefökonom der weltgrößten Vermögensverwaltung

03:46 → 03:52

und einer der größten Banken der Welt, von einem bedingungslosen Grundeinkommen?

03:52 → 03:57

Klaus Wellershof: Eine voraussetzungslose Unterstutzung der Menschen?

03:57 → 04:00

Das ist ein Prinzip, von dem ich glaube,

04:00 → 04:03

dass es auf Dauer sich durchsetzen wird, sich auch durchsetzen muss,

04:03 → 04:07

dass es aber schwer hat gegenüber den vielen Anspruchssituationen,

04:08 → 04:09

die wir haben, sich durchzusetzen

04:10 → 04:14

Was für Anspruchssituationen könnten das sein?

04:15 → 04:20

Vielleicht die Anspruchssituation, Arbeitsplätze zu erhalten?

04:20 → 04:22

Alle Politiker fordern das.

04:22 → 04:25

Geht es dabei um die Arbeit?

04:25 → 04:27

Oder um Steuereinnahmen?

04:28 → 04:31

Und darum, dass nicht noch mehr Leute von den Sozialkassen leben

04:31 → 04:34

und dem Staat die Kosten explodieren?

04:34 → 04:37

Peter Ulrich: Aber es ist nicht der ‘böse Staat’

04:37 → 04:41

der Verursacher der Kostenexplosion.

04:41 → 04:45

Sondern es ist die Logik von einer Erfolgsgeschichte.

04:48 → 04:52

Die Logik der Erfolgsgeschichte ist die Rationalisierung.

04:52 → 04:55

Die findet auch vor der eigenen Haustür statt.

05:21 → 05:25

Wie die Erfolgsgeschichte weiter geht, stellt diese Frage.

05:25 → 05:27

auf der Tafel: Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?

05:27 → 05:31

Sie stellt sich mit dem Gedanken an ein Grundeinkommen.

05:32 → 05:35

Es gibt verschiedene Modelle zum Grundeinkommen.

05:35 → 05:40

Allen gemeinsam ist die Definition des Netzwerks Grundeinkommen

05:40 → 05:42

Ein Grundeinkommen ist ein Einkommen, das bedingungslos

05:42 → 05:44

jedem Mitglied einer politischen Gemeinschaft gewährt wird.

05:44 → 05:47

Sie beschreibt 4 Kriterien

05:47 → 05:50

Die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

05:50 → 05:52

Einen individuellen Rechtsanspruch darstellen.

05:52 → 05:54

Ohne Bedürftigkeitsprüfung ausgezahlt werden.

05:54 → 05:56

Keinen Zwang zur Arbeit bedeuten.

06:00 → 06:02

Jetzt aber nicht abheben.

06:02 → 06:05

Das Grundeinkommen ist nicht für jeden mehr Geld.

06:05 → 06:09

Es kommt nicht von oben und nicht oben darauf,

06:09 → 06:12

sondern es wächst in das bestehende Einkommen.

06:12 → 06:15

Das Erwerbseinkommen wird geringer.

06:15 → 06:18

Die Höhe des Gesamtseinkommens verändert sich nicht,

06:18 → 06:21

wohl aber, wie es sich zusammensetzt.

06:22 → 06:26

Das Grundeinkommen ist eine andere Art von Einkommen.

06:26 → 06:28

Es ist kein Mindestlohn.

06:28 → 06:30

Es ist keine Bezahlung für etwas.

06:30 → 06:33

Es ist nicht an eine Arbeit gebunden.

06:33 → 06:37

Sondern es bleibt bei der Person! – bei allen Veränderungen.

06:38 → 06:42

Sascha Liebermann: Im Unterschied zum Kommunismus, der den Einzelnen erstickt,

06:42 → 06:46

und dem Marktliberalismus, der den Einzelnen alleine lassen will,

06:46 → 06:51

fordert das Grundeinkommen eine Absicherung, um

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eine maximale Freiheit zu schaffen, damit der Einzelne sich entscheiden kann.

06:56 → 07:00

Und das geht nur mit einer Einkommensgarantie.

07:00 → 07:03

Die muss natürlich so hoch sein, das sie wirklich auch

07:03 → 07:05

auf Erwerbsarbeit verzichten können.

07:06 → 07:10

Verzichten zu können ist eine Vorraussetzung dafür,

07:10 → 07:13

sich auf gleicher Augenhöhe begegnen zu können.

07:15 → 07:18

Die meisten, die heute auf Sozialgelder angewiesen sind,

07:18 → 07:21

werden das mit meinem Grundeinkommen nicht mehr.

07:21 → 07:27

Das Grundeinkommen ersetzt staatliche Transferleistungen bis zu seiner Höhe.

07:27 → 07:32

Nur wo Sozialleistungen darüber hinaus notwendig sind,

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blieben sie mit Betrag darüber hinaus erhalten.

07:37 → 07:43

Mehr Geld in der Tasche hätten mit einem Grundeinkommen nur die, die heute weniger haben.

07:43 → 07:48

Das sind vor allem Kinder und Jugendliche, das heißt Familien.

07:48 → 07:50

Es sind Empfänger einer zu geringen Rente,

07:50 → 07:54

es sind Prekärbeschäftigte und Selbstständige, die sich arm arbeiten.

07:55 → 07:58

Das Grundeinkommen hebt Armut auf

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und stabilisiert den Mittelstand durch eine gesicherte Ausgangsbasis.

08:02 → 08:05

Es nimmt Angst vor dem Alter.

08:05 → 08:11

Es ist nicht Geld, das die einen den anderen geben, über die sie dann auch zu Gericht setzen.

08:12 → 08:18

Es ist keine nachtragende Hilfe bei Not, sondern eine Perspektive und für alle.

08:20 → 08:24

Das Grundeinkommen setzt nicht den besseren Menschen voraus.

08:24 → 08:27

Es löst auch nicht die Probleme.

08:27 → 08:29

– Nicht mit Geld.

08:29 → 08:33

Aber es ermöglicht mehr Lösungen – durch die Menschen.

08:40 → 08:44

Thomas Paine ist der Begründer der Menschenrechte

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und einer der Gründungsväter der Vereinigten Staaten von Amerika.

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‘United States of America’, dieser Namen stammt von ihm.

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Mit „Common Sense“, zu Deutsch: „Gesunder Menschenverstand“,

08:57 → 09:01

leitete er die Unabhängigkeitserklärung der nordamerikanischen Kolonien

09:01 → 09:03

vom britischen Königshaus ein.

09:03 → 09:08

Seine Ideen nahmen großen Einfluss auf die erste demokratische Verfassung der Welt.

09:11 → 09:13

Wolfgang Roehrig: „Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht,

09:14 → 09:16

dass alle Menschen gleich erschaffen worden, dass sie von ihrem Schöpfer

09:16 → 09:19

mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt wurden,

09:19 → 09:24

worunter sind: Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit.“

09:26 → 09:28

„Rights of Man“, Menschenrechte.

09:28 → 09:31

Ungeheuerlich für die damalige Zeit.

09:31 → 09:33

Heute aber auch.

09:33 → 09:37

Rechte aufgrund des Menschseins für alle gleich!

09:40 → 09:41

– Völliger Blödsinn:

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Rechte haben doch nur die, die Besitz haben!

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Alle anderen könnten damit auch gar nichts anfangen – außer frech werden!

09:49 → 09:51

Menschenrechte?

09:51 → 09:54

Das hieße dann ja auch: die Sklaverei abschaffen.

09:54 → 09:56

Und wer macht dann den Service?

09:56 → 10:00

Wer macht dann die viele ungeliebte schwere Arbeit,

10:00 → 10:03

die man weder bezahlen noch anerkennen mag?

10:03 → 10:05

Solche Ängste kann man auch heute haben.

10:05 → 10:07

Zum Beispiel beim Grundeinkommen:

10:07 → 10:12

Die Wirtschaft bräche zusammen, die Gesellschaft endete im Chaos.

10:12 → 10:16

Viel schlimmer war es allerdings, als die Erde rund wurde.

10:16 → 10:19

Lange hielt die Kirche an der Scheibe fest.

10:19 → 10:24

Die war umgeben von den Wassern des Chaos.

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Und wer sich zu weit an den Rand wagte, konnte unversehens: hinein fallen.

10:28 → 10:35

Sie war überwölbt von festen Firmamenten, an denen die Sterne ihre Bahnen zogen.

10:35 → 10:40

Und jenseits derer: Sphären, in denen die Gewalten wohnten,

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die dem Menschen Angst und Hoffnung machten.

10:44 → 10:48

So schauen wir heute auf Geld und Wirtschaft.

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Dass die Erde eine Scheibe war, davon hing alles ab,

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was Weltbild, Ordnung und Sicherheit ausmachte.

10:56 → 11:03

Und so versucht jede Zeit aufs Neue, dass die Erde flach ist, und einer oben drüber sitzt.

11:03 → 11:08

Wie sollte das auch gehen, dass die Erde rund ist?

11:08 → 11:10

Als sie dann doch rund war,

11:10 → 11:17

stand sie natürlich weiterhin im Zentrum des Universums und drehte sich keinesfalls um sich selbst.

11:17 → 11:24

Das machte es äußerst kompliziert, eine Gesetzmäßigkeit der Planetenbahnen darzustellen.

11:24 → 11:29

Es kommt eben immer darauf an, wo man den eigenen Standpunkt vorortet.

11:29 → 11:32

So ist es beim Grundeinkommen auch.

11:32 → 11:37

Kompliziert ist es, wenn ich von meiner eigenen Bewegung nichts weiß.

11:37 → 11:43

An den Rand des nicht mehr Verstehbaren stoße ich bald, wenn ich vom Gewordenen ausgehe,

11:43 → 11:48

wie es sich augenfällig fertig zeigt und in Ideologien verpackt ist.

11:48 → 11:54

Einfacher wird es, wenn ich vom Menschen ausgehe – und vom Werden.

11:55 → 12:02

Jedes System behauptet in sich Stimmigkeit und kann von sich aus nicht in ein anderes gehen.

12:02 → 12:05

Das kann nur der Mensch.

12:09 → 12:12

Margit Appel: Das Grundeinkommen ist in Österreich,

12:12 → 12:16

in der Schweiz und in Deutschland ein Thema und wird dort diskutiert.

12:18 → 12:22

Gabriele Fischer: Ich glaube, es hat auch damit zu tun, dass die Zeit natürlich reif ist.

12:23 → 12:25

Justus Wittich: Die Menschenwürde wird zurückgegeben.

12:26 → 12:30

Margit Appel: Und es ist nicht gebunden am gesellschaftliches Wohlverhalten.

12:31 → 12:34

Wolf Lotter: Das Grundeinkommen wirkt vor allen Dingen

12:34 → 12:38

zur Eskalation der sozialen Spannungen, die wir jetzt haben.

12:39 → 12:43

Michaela Schmoczer: Also, viele sind jetzt drin (haben einen Arbeitsplatz), die eigentlich gar nicht arbeiten wollen.

12:43 → 12:45

Da sagen wir: Oh, die nehmen uns die Arbeitsplätze weg.

12:45 → 12:48

Und manche sind draußen (haben keinen Arbeitsplatz), die arbeiten wollen.

12:48 → 12:50

Also, dass das überhaupt in die Entscheidung des Menschen kommt,

12:50 → 12:55

dass er sagen kann: ich will, oder: ich will nicht; da entsteht Bewegung.

12:56 → 12:59

Bettina Dieterle: Aber was ich die spannendste Geschichte finde ist,

12:59 → 13:02

wenn ich mir das selber überlege: Ich habe die Ausrede

13:02 → 13:05

am Ende meines Lebens nicht mehr: Ich habe das, was ich tun wollte,

13:05 → 13:08

nicht getan, weil ich konnte es mir nicht leisten!

13:08 → 13:10

(From background: Ja, genau, kein Alibi mehr.)

13:11 → 13:14

Götz Werner: Wer studiert denn hier das Studium nur deswegen, weil es die Eltern wollten?

13:16 → 13:19

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

13:19 → 13:24

Also, wenn sie die Fragestellung nicht haben, können sie gleich ihren Computer hochfahren lassen.

13:25 → 13:28

Justus Wittich: Da gäbe es eine Blüte von Initiativen.

13:30 → 13:32

Ein Mann am See: Also, ich bin skeptisch.

13:32 → 13:33

Ich bin sehr skeptisch.

13:33 → 13:40

Und zwar: Ich würde denken, dass, wenn das zur Verfügung gestellt werden würde,

13:40 → 13:45

dass dann die Motivation, etwas zu leisten und zu arbeiten, sinkt.

13:45 → 13:47

Die sinkt auf Null.

13:47 → 13:53

Martin Hafen: Erwerbsarbeit macht krank, weil die Zeiträume, um diese Erwerbsarbeit zu leisten –

13:53 → 13:59

– und das ließe sich empirisch ganz einfach belegen – laufend zusammengekürzt werden.

14:00 → 14:05

Wolf Lotter: Im Grunde genommen führt ein Grundeinkommen zu einer freieren Gesellschaft.

14:05 → 14:06

Das ist das Entscheidende.

14:06 → 14:09

Es führt weg von der Lohnabhängigkeit und es führt hin zu mehr Selbstständigkeit.

14:10 → 14:15

Ein Mann am See: Dann stellt sich natürlich später auch die Frage: Wie finanziert man das?

14:15 → 14:18

Weil, irgendwo muss es ja rein kommen.

14:18 → 14:23

Justus Wittich: Also, ich kann das als Volkswirt rechnen, dass das geht.

14:23 → 14:24

(From background: Ja.)

14:24 → 14:28

Wolf Lotter: Die große Zumutung ist, dass jeder lernen muss, damit umzugehen.

14:28 → 14:31

Das ist das große Ding dabei.

14:31 → 14:32

Und da stehen wir am Anfang.

14:32 → 14:34

Nicht bei der Finanzierbarkeit.

14:34 → 14:36

Die Finanzierbarkeit ist gewährleistet.

14:36 → 14:38

Freiheit ist die schwierige Übung.

14:39 → 14:42

Die Finanzierbarkeit ist gewährleistet.

14:42 → 14:46

Freiheit ist die schwierige Übung

14:55 → 14:59

Schreckensvisionen des 21. Jahrhunderts haben wir schon.

14:59 → 15:04

Die Zeitungen sind voll davon – und wir auch.

15:06 → 15:09

Das Grundeinkommen ist eine erste positive Vision des 21. Jahrhunderts.

15:09 → 15:12

Es ist kein großes Weltthema,

15:12 → 15:15

das einen nur zum Zuchauer macht.

15:15 → 15:17

Sondern es betrifft jeden,

15:17 → 15:21

weil es jeden mehr in die Lage versetzt, das zu lassen (nicht mehr zu machen),

15:21 → 15:23

was man nicht verantworten kann

15:23 → 15:26

und das zu tun, was man wirklich will.

15:27 → 15:30

Oder blieben dann viele: zu hause?

15:31 → 15:33

Arbeitete dann keiner mehr?

15:33 → 15:36

Die Räder stehen still wie beim Dauerstreik.

15:36 → 15:39

Und die Abteilungsleiter in dauernder Freizeit?

15:39 → 15:40

Verantwortung?

15:40 → 15:42

Außer Sichtweite.

15:44 → 15:45

Keiner rudert mehr.

15:45 → 15:47

Keiner büffelt mehr.

15:47 → 15:49

Die Universitäten ganz leer?

15:50 → 15:55

Verscheucht ein Grundeinkommen die Anreize zu einer höheren Qualifikation?

15:55 → 15:59

Wer nicht muss, macht auch kein Humankapital aus sich?

15:59 → 16:03

Dabei fehlen den Unternehmen heute schon die Fachkräfte!

16:03 → 16:05

Wie soll das weitergehen mit der Wirtschaft?

16:06 → 16:10

Roland Blaschke: Ich bin empört am meisten über die Tatsache, dass es kein Verständnis mehr dafür gibt,

16:11 → 16:14

wofür eigentlich Ökonomie oder Wirtschaft da sein sollte.

16:15 → 16:19

Sie ist ein Teilbereich des menschlichen Zusammenlebens,

16:19 → 16:21

um Leben zu ermöglichen,

16:21 → 16:25

um uns gute Dinge zu tun, über die wir verfügen können.

16:25 → 16:27

Und dieses Denken ist vollkommen weg.

16:27 → 16:31

Wirtschaft ist ein selbständiger Kreislauf, der ganz andere Ziele verfolgt,

16:31 → 16:34

der mit dem menschlichen Leben kaum noch etwas zu tun hat,

16:34 → 16:37

der sogar in der Lage ist, menschliches Leben zu zerstören.

16:38 → 16:41

Ein Mann am See: Trotz allem, ich bin fest davon überzeugt:

16:42 → 16:44

Wir brauchen ein System,

16:44 → 16:49

wo halt Leistung bezahlt wird: Gute Arbeit wird entlöhnt.

16:49 → 16:54

Und ein System, wo man einfach generell Gießkannenprinzipmäßig (wie mit der Gießkanne)

16:54 → 16:58

alle gleich besoldet oder mit einem Grundsalär (Grundeinkommen) ausstattet,

16:58 → 17:00

würde dazu führen, dass am Schluss dann

17:00 → 17:07

die ganze Leistungsgesellschaft in sich zusammenbrechen würde.

17:08 → 17:12

Bezahlte Leistungen in Deutschland im Jahr 2001 –

17:12 → 17:17

– 56 Milliarden Stunden in Erwerbsarbeit.

17:17 → 17:19

Nichtbezahlte Leistungen –

17:19 → 17:22

– 96 Milliarden Arbeitsstunden

17:22 → 17:25

in privater Haus– und Elternarbeit

17:25 → 17:28

und in bürgerschaftlichem Engagement.

17:28 → 17:34

Ein Grundeinkommen stände keineswegs der Bezahlung von Leistung im Wege.

17:34 → 17:38

Die Frage ist vielleicht eher, wie dann Führung durchzuführen ist,

17:38 → 17:42

wenn Menschen durch Geld nicht mehr so bei der Stange zu halten sind

17:42 → 17:45

in den Unternehmen, in der Gesellschaft,

17:45 → 17:49

wenn Menschen durch ein Einkommen weniger zu bestimmen sind?

17:49 → 17:53

Und wie bestimmt man sich dann selbst?

17:53 → 17:55

Liegen dann doch alle am Pool?

17:56 → 17:58

Und der Müll bliebe auf den Straßen liegen?

17:58 → 18:01

Rentner müssten die Parks pflegen.

18:01 → 18:05

Untergräbt ein Grundeinkommen die Leistungsgesellschaft

18:05 → 18:10

und das Gefühl, Selbstständig zu sein, die Freude am eigenen Erfolg!?

18:11 → 18:15

Ist das nicht auch langweilig, wenn jeder schon ein Einkommen hat?

18:16 → 18:19

Nur was für alte Hippies und Waldorfschüler,

18:19 → 18:22

die meinen, der Mensch sei von Natur aus – gut.

18:24 → 18:26

Der Mensch ist auch ein Tier!

18:26 → 18:30

Und will kein Grundeinkommen, sondern eher ein Jagdrevier.

18:31 → 18:37

Schauen wir lieber mal und warten ab, was uns neue Märkte bringen.

18:40 → 18:42

Draußen vor der Tür.

18:42 → 18:44

So ist das für viele Menschen.

18:44 → 18:47

Kein Zugang zu den gedeckten Tischen.

18:47 → 18:50

Brächte ein Grundeinkommen die Menschen näher zusammen?

18:50 → 18:55

Oder ließe es die Zweitklassengesellschaft weiter auseinander driften?

18:57 → 19:02

Die lukrativen Jobs, teurere Bildung und ungestört das Kapital verwalten

19:02 → 19:07

für die einen, während die anderen sich im Grundeinkommen einrichten –

19:07 → 19:10

– ihre Zeit mit Hoffnung und Hobbys verbringen,

19:10 → 19:13

sich für 2 Euros die Stunde noch etwas hinzuverdienen

19:13 → 19:17

und bei den wichtigen Dingen – nicht weiter im Weg stehen.

19:20 → 19:23

Missbrauchen kann man ein Grundeinkommen auch.

19:23 → 19:26

Indem man es in einer Höhe festlegt,

19:26 → 19:28

die geradeso nicht zum Leben reicht.

19:28 → 19:31

Und alle Sozialleistungen dafür streicht.

19:32 → 19:34

Dann gilt Arbeitzwang für alle.

19:35 → 19:37

Ohne persönliche Aufforderung.

19:37 → 19:40

Zu Löhnen wie in China und ohne, dass im Grundeinkommen

19:40 → 19:45

die Möglichkeit enthalten wäre, auf ein Arbeitsangebot zu verzichten.

19:45 → 19:50

Wenn man die Zahlungen dann noch durch verschiedenste Quellen, Sondermodelle,

19:50 → 19:53

Gegenrechnungen und Auflagen verkompliziert,

19:53 → 19:57

hat man ungefähr die Situation von heute – nur verschärft.

19:57 → 19:59

Ein Grundeinkommen kann missbraucht werden, indem man:

19:59 → 20:00

– es zu tief ansetzt

20:00 → 20:02

– damit alle Sozialleistungen streicht

20:03 → 20:06

– es dann doch an Bedingungen knüpft

20:16 → 20:20

„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“,

20:20 → 20:22

sagte der Apostel Paulus.

20:22 → 20:26

Und meinte diejenigen, die keinen Beitrag zu Gemeinde leisten.

20:26 → 20:30

„Wenn ihnen ihre Erlösung schon so nah sei“, so Paulus,

20:30 → 20:32

„dass sie das Arbeiten sein ließen,

20:32 → 20:35

dann sollten sie doch auch das Essen sein lassen.“

20:35 → 20:40

Der Mann hatte noch Humor. Andere nicht so.

20:41 → 20:44

Hier werden Zöglinge in einem Korb

20:44 → 20:48

unter die Decke gezogen über dem Essenstisch und bekommen nichts ab.

20:48 → 20:51

Weil sie zu wenig gearbeitet haben.

20:51 → 20:52

Essensentzug.

20:53 → 20:55

Alle Regeln werden schrecklich,

20:55 → 20:58

wenn ihnen der Geist abhanden kommt.

21:00 → 21:04

Katja Kipping: Die Debatten um das Grundeinkommen haben ja zuallererst die Aufgabe,

21:04 → 21:06

mit alten Denkmustern zu brechen.

21:06 → 21:07

Also zum Beispiel mit der Ideologie:

21:08 → 21:11

„Nur wer Erwerbsarbeit nachgeht hat das Recht, etwas zu essen“.

21:11 → 21:17

Die Debatten um das Grundeinkommen müssen aufräumen mit diesem Irrtum,

21:17 → 21:21

dass man, nur wenn man Arbeit nachgeht, etwas Gutes für die Gesellschaft leistet.

21:21 → 21:25

Denn es gibt ja durchaus auch Erwerbsarbeit, wo genau das Gegenteil der Fall ist.

21:26 → 21:29

„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“

21:29 → 21:31

So haben wir es verinnerlicht.

21:31 → 21:34

Der Künstler Joseph Beuys schrieb eine neue Formel

21:35 → 21:36

Wer nicht denken will, fliegt raus.

21:36 → 21:40

Denn zu essen haben wir genug, und auch von allen anderen Güter.

21:40 → 21:44

Fragt sich nur, was mit der Arbeit ist.

21:45 → 21:48

Götz Werner: Diese Arbeit an der Naturgrundlage und die Arbeit an der Materie

21:49 → 21:53

und die Arbeit in der Produktion, die geht uns Gottseidank aus!

21:53 → 21:57

Die Wirtschaft hat die Aufgabe, die Menschen von der Arbeit zu befreien!

21:57 → 21:59

Die Wirtschaft hat die Aufgabe, die Menschen von der Arbeit zu befreien

21:59 → 22:01

Das steht nicht in der Zeitung.

22:01 → 22:04

Wohin denn zu befreien?

22:04 → 22:07

Das steht auch nicht in den Leitbildern von Unternehmen.

22:08 → 22:11

Mitarbeiter zu entlassen fällt keinem leicht.

22:11 → 22:13

Es geschieht aber genau so.

22:14 → 22:16

Und einmal als Tatsache anerkannt,

22:16 → 22:18

als Aufgabe sogar,

22:18 → 22:20

würde etwas anderes deutlich:

22:21 → 22:26

Von der Arbeit zu befreien heißt auch: zur Arbeit zu befreien.

22:26 → 22:30

Dass jenseits des Zaunes nur noch Urlaub und Freizeit kämen,

22:30 → 22:33

ist die Vorstellung aus der Unselbstständigkeit.

22:34 → 22:37

Was sind das für Arbeitsplätze, in die investiert wird?

22:38 → 22:43

Götz Werner: Die ganzen Investitionen in neue Arbeitsplätze sind gleichzeitig Rationalisierungsmaßnahmen.

22:44 → 22:48

Da werden die Dinge entwickelt, die Arbeit einsparen.

22:48 → 22:54

Und sie werden keinen Manager finden, der sagt: Wie kann ich etwas machen, was mehr Arbeit bringt?

22:54 → 22:56

Wie kann ich etwas machen, was mehr Arbeit bringt?

22:56 → 23:00

Die Aufgabe der Wirtschaft ist es: Bedarf zu befriedigen.

23:00 → 23:02

Effektiv, wie das jeder tut.

23:03 → 23:07

Es ist also nicht ihre Aufgabe, Arbeit zu bringen.

23:07 → 23:13

Dem steht gegenüber, dass jeder Mensch mit sich Ziele, Fragen und Aufgaben mitbringt

23:13 → 23:17

und manche dem nicht nachgehen, weil ihnen das kein Einkommen vorzählt.

23:19 → 23:22

Götz Werner: Das gesellschaftliche Problem, das wir haben, ist,

23:22 → 23:25

dass viele Menschen, die heute einen Arbeitsplatz haben,

23:25 → 23:29

eigentlich in Wirklichkeit

23:29 → 23:32

nur einen Einkommensplatz haben.

23:33 → 23:36

Nur einen Einkommensplatz zu haben meint,

23:36 → 23:38

eine Tätigkeit auszuüben,

23:38 → 23:40

nur damit ein Einkommen fließt.

23:40 → 23:43

In dem man aber keinen Sinn sieht.

23:44 → 23:46

Gesellschaftlich ist das ein Problem,

23:47 → 23:51

weil viel an Frustration und Dauerkrankheiten daher rührt.

23:53 → 24:00

In Deutschland fühlen sich 12% der Beschäftigten ganz und gar am richtigen Platz.

24:00 → 24:02

Das ist etwas mehr als jeder zehnte.

24:03 → 24:06

Gut die Hälfte, 54%,

24:06 → 24:09

sind mit ihrer Arbeit so einiger Maßen unzufrieden,

24:09 → 24:11

sehen aber auch gute Aspekte.

24:12 → 24:14

Und 34% der Beschäftigten

24:15 → 24:18

sind mit ihrer Arbeit ausgesprochen unzufrieden.

24:18 → 24:21

Das ist etwa jeder dritte.

24:24 → 24:29

Der sogenannte Arbeitskampf ist ein Einkommenskampf.

24:29 → 24:33

Und der Arbeitskampf wehrt sich gegen die Wegnahme der Arbeit.

24:33 → 24:37

Denn meine Arbeit, das bin Ich.

24:37 → 24:41

Ein Recht auf zugewiesene Arbeit kann es aber nicht geben.

24:41 → 24:44

Es gibt kein recht auf Pflicht.

24:44 → 24:48

Und es gibt kein Recht darauf, gekauft zu werden.

24:48 → 24:53

Ein Recht auf Arbeit kann nur das Recht sein zu der Tätigkeit,

24:54 → 24:55

die jemand von sich aus will und tut.

24:56 → 24:57

(add-on: die einem keiner zuweisen – und auch keiner abnehmen kann)

24:57 → 25:02

Ein solches Recht auf Arbeit braucht ein Recht auf Einkommen.

25:03 → 25:06

Florian Lück: Das gibt's doch nicht, dass man eine Arbeit hat

25:06 → 25:08

und es gibt ein Arbeitsamt, aber es gibt kein Einkommensamt.

25:08 → 25:09

Der junge Mann meint,

25:09 → 25:14

dass er zwar viel Arbeit hat, aber dafür kein Einkommen.

25:14 → 25:19

Was würde ein Recht auf Einkommen gesellschaftlich bewirken können?

25:19 → 25:23

Der Schweitzer Soziologe Ueli Maeder nennt einige Eckpunkte.

25:24 → 25:31

Ueli Maeder: Die kritische Kontrastierung der einseitig bornierten Ausrichtung an der Erwerbsarbeit,

25:31 → 25:37

die Fokussierung auf die Sinnfrage: Was ist überhaupt wichtig im Leben?

25:37 → 25:42

Das würde Menschen Rücken stärken.

25:42 → 25:44

Das würde mehr Sicherheit verleihen.

25:44 → 25:47

Es würde einen Kreativitätsschub geben.

25:48 → 25:50

Es würde einen Zufriedenheitsschub geben.

25:50 → 25:55

Die Menschen müssten weniger kontraproduktiv mit den Ellbogen vorangehen.

25:55 → 26:00

Und sie würden weniger die Erfahrung machen müssen,

26:00 → 26:03

immer wieder darauf erpicht zu sein,

26:03 → 26:06

auf Kosten von anderen profitieren zu können,

26:06 → 26:15

was unser jetziges System mit dieser extremen Konkurrenz eben dazu verleitet,

26:15 → 26:20

Mechanismen der Solidarität zu unterlaufen.

26:20 → 26:24

Soweit der Ordinarius für Soziologie.

26:24 → 26:27

Wie aber sieht das jemand, der gerade von der Arbeit kommt

26:27 → 26:29

und zum ersten Mal von der Idee hört?

26:29 → 26:32

Ein Projektleiter: Das heißt, es hätten alle den gleichen Lohn?

26:32 → 26:34

Umfragemann: Nein, alle verdienen was sie verdienen.

26:34 → 26:39

Aber alle haben als Basis so ein Grundeinkommen.

26:40 → 26:41

Projektleiter: Aber nur, wenn sie arbeiten?

26:41 → 26:42

Umfragemann: Nein, egal was.

26:42 → 26:43

Projektleiter: Egal was?

26:43 → 26:44

Umfragemann: Jeder bekommt es.

26:45 → 26:48

Projektleiter: Aber da stellt sich sicherlich die Problematik der Arbeitsmotivation.

26:49 → 26:53

Wenn ich sowieso einen garantierten Grundlohn habe, wieso gehe ich dann arbeiten?

26:53 → 26:54

Umfragemann: Wie wäre das für sie selber?

26:56 → 26:58

Projektleiter: Ich würde gerne arbeiten gehen.

26:58 → 27:03

Ich meine, zu hause sitzen bringt's nicht, ich liebe meine Arbeit, ich tu's gerne,

27:03 → 27:07

aber es gibt sicherlich solche, die wären dann nicht mehr zur Arbeit zu bewegen.

27:10 → 27:12

Wenn es ein Grundeinkommen gäbe,

27:12 → 27:14

würden sie dann noch arbeiten gehen?

27:15 → 27:19

Spontan antworten etwa 60% „Ja, unverändert“.

27:20 → 27:24

Etwa 30% antworten „Ja, aber nicht mehr Vollzeit“.

27:24 → 27:27

Oder auch: „Etwas anderes als heute“.

27:27 → 27:30

Und etwa 10% sagen ganz offen

27:30 → 27:33

„Erstmal ausschlafen und dann weiter sehen.

27:33 → 27:38

Verreisen, sich um andere kümmern, noch mal studieren … “

27:39 → 27:41

Wenn es ein Grundeinkommen gäbe,

27:41 → 27:45

denken sie, die anderen würden dann noch arbeiten?

27:45 → 27:48

Etwa 80% antworten

27:48 → 27:54

„Nein, wahrscheinlich wären die meisten dann nicht mehr zur Arbeit zu bewegen.“

27:54 → 27:59

Was ist das für eine Arbeit, zu der man bewegt werden muss?

27:59 → 28:00

Die eigene wohl nicht.

28:01 → 28:02

Zu der bewegt man sich selbst.

28:02 → 28:05

Wer ist der Beweger zur Arbeit?

28:07 → 28:09

Das – ist eine Tretmühle.

28:10 → 28:12

Und das ist Kinderarbeit.

28:12 → 28:14

Alles einmal ganz normal gewesen.

28:15 → 28:16

Kaufen tun wir das immer noch.

28:17 → 28:21

Man weiß es ja auch gar nicht so genau; das Zeug kommt aus Fernost.

28:21 → 28:25

Dort wird jetzt viel der sogenannten Drecksarbeit gemacht.

28:25 → 28:29

Und hierzulande auch gerne mal von Leuten von woanders.

28:30 → 28:34

Da fehlen dann schon mal Papiere, Verträge und jede Sicherheit.

28:34 → 28:37

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?

28:37 → 28:42

Die sogenannte Drecksarbeit ist nicht unbedingt um ihrer selbst willen dreckig,

28:42 → 28:45

sondern aufgrund der geringen Wertschätzung,

28:45 → 28:48

der geringen Bezahlung und der Arbeitsbedingungen.

28:48 → 28:52

Es ist oft Arbeit, die den Dreck anderen weg macht.

28:52 → 28:55

Wer macht da die Arbeit dreckig?

28:55 → 28:59

Mit einem Grundeinkommen kann man auch nein sagen.

28:59 → 29:01

Aber wer macht dann die Drecksarbeit?

29:02 → 29:04

Da gibt es 3 Möglichkeiten:

29:05 → 29:09

1. Die Arbeit besser bezahlen und bessere Bedingungen schaffen

29:09 → 29:12

2. Automatisieren und rationalisieren

29:12 → 29:16

3. Selber machen

29:18 → 29:21

Eine Schauspielerin: Ich habe mir jetzt eine Kassiererin bei der Migros vorgestellt.

29:23 → 29:27

Ihr macht die Arbeit vielleicht nicht so spaß.

29:27 → 29:31

Ob sie überhaupt nach Arbeiten gehen würde mit einem Grundeinkommen?

29:33 → 29:36

Ja, dann – fragen wir mal die Frau an der Kasse.

29:37 → 29:38

Jjj-a.

29:39 → 29:42

Also, ich würde noch arbeiten.

29:42 → 29:45

Weil, ich könnte es mir nicht vorstellen, zuhause rumzusitzen und gar nichts zu tun;

29:45 → 29:48

auch wenn ich dieses Grunddings hätte von 1000 Euro –

29:48 → 29:51

Jjj-a, das ist so eine Zahl, 1000 Euro.

29:51 → 29:52

Es kann auch mehr sein.

29:52 → 29:53

Oder weniger?

29:53 → 29:56

Die Frau an der Kasse: Erstens würde es mir gar nicht reichen, muss ich ehrlich gestehen –

29:56 → 29:58

Daher der Namen: Grundeinkommen.

29:58 → 30:04

Reichen sollte es zum Lebensnotwendigen auf einem kulturtauglichen Niveau.

30:04 → 30:09

Mehr Geld verdienen zu wollen wird für die meisten so selbstverständlich sein wie heute auch.

30:10 → 30:11

Aber zurück zur Kasse.

30:11 → 30:13

Nicht gerade der Traumberuf.

30:14 → 30:17

Die Frau an der Kasse: Klar, man denkt immer, das sei irgendwie nur bloß so an der Kasse Tätigkeit –

30:17 → 30:20

– aber man kommt mit sehr vielen Leuten zusammen

30:20 → 30:22

und es kommt immer darauf an, wie man selber ist.

30:22 → 30:24

Und ich bin eigentlich ein sehr aufgeschlossener Mensch,

30:24 → 30:28

ich habe keine Probleme, und ich finde es eigentlich ganz toll hier.

30:28 → 30:30

Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?

30:30 → 30:31

Das gleiche, aber besser!

30:31 → 30:35

Einerseits würde sich also gar nicht so viel ändern.

30:35 → 30:37

Die Frau an der Kasse: Ohne Arbeit könnte ich nicht.

30:37 → 30:39

Das wäre für mich zu langweilig.

30:39 → 30:42

Anderseits kann sich aber etwas ändern.

30:42 → 30:48

Ja, und dann könnte ich auch reisen und Sachen sehen, was du jetzt nicht kannst.

30:48 → 30:51

Denn du musst ja lernen, um einen Beruf auszuüben.

30:51 → 30:56

Und der Stress mit dem Beruf – es ist ja so schwer für alle, einen Beruf zu finden.

30:56 → 30:58

Bist da, und es gibt fast keinen Platz mehr.

30:58 → 31:02

Wenn es das (Grundeinkommen) gäbe, wäre es ja nicht so der Stress.

31:03 → 31:10

Angelika Tischer: Und wenn man jetzt also nicht die Schüler darauf konditionieren müsste,

31:10 → 31:17

dass sie dann in irgendeiner Weise im Erwerbsleben auf Teufel-komm-raus den Platz finden,

31:17 → 31:22

der für sie passt – und von dem alle wissen, dass es den längst nicht mehr gibt für alle –

31:22 → 31:26

– also diese verlogene Situation, in der wir zur Zeit uns befinden…

31:28 → 31:31

Philip Kovce: Ja, das Thema ist erst recht interessant für junge Leute,

31:31 → 31:34

da ja gerade heute in den Schulen festzustellen ist,

31:34 → 31:37

wie ganz viele Jugendliche schon unter Zukunftsängsten leiden

31:37 → 31:42

und sich in den Schulen schon notorisch auf einen Beruf vorbereiten

31:42 → 31:48

und das geringere Übel wählen aus Angst, später mit gar nichts da zu stehen.

31:48 → 31:53

Und im Grundeinkommen sehe ich die Möglichkeit und die Chance, gerade das ergreifen zu können,

31:53 → 31:57

was man wirklich gerne machen möchte, und was man auch gut machen kann.

31:59 → 32:03

Amaël Kienlen: Aber ich sehe damit verbunden eine Krise, eine Sinnkrise.

32:03 → 32:08

Roland Hügli: Es gibt einer Zeit und Raum, um sich Dinge zu überlegen.

32:09 → 32:12

Und was würde ein Grundeinkommen für die Arbeit bedeuten?

32:12 → 32:21

Roland Hügli: Man würde die Arbeit auf mehrere Leute aufteilen. Und dann wird sie auch wieder befriedigend.

32:21 → 32:23

Und was war da mit der Sinnkrise?

32:23 → 32:28

Amaël Kienlen: Ja, ich glaube, wir leben zum großen Teil in einer großen Illusion.

32:28 → 32:32

Wir leben auf Kosten der Natur, auf Kosten der zukünftigen Generation,

32:32 → 32:36

auf Kosten unserer – Partner.

32:38 → 32:42

Das nicht zugeben wollen, dass andere für uns schaffen,

32:44 → 32:50

diese Abhängigkeit, diese Brüderlichkeit, so lange die nicht klar aufgenommen wird

32:50 → 32:55

bin ich in Schulden meinen Mitmenschen gegenüber.

32:55 → 32:57

So viel zur Brüderlichkeit.

32:57 → 32:58

Und die Gleichheit?

32:58 → 33:00

In der Demokratie?

33:00 → 33:05

Katja Kipping: Für mich hat das Grundeinkommen auch so eine Funktion von Demokratiepauschale.

33:05 → 33:10

Menschen werden weniger erpressbar, wenn sie materiell grundabgesichert sind.

33:10 → 33:16

Und das ermöglicht eine Entfaltung einer demokratischen Gesellschaft,

33:16 → 33:19

von der alle profitieren, arm wie reich.

33:19 → 33:20

Und die Kunst?

33:20 → 33:22

Tony Rizzi: Selbst wenn ich nicht arbeite,

33:22 → 33:25

wenn ich nicht physisch ein Stück

33:25 → 33:27

auf die Beine stelle, arbeite ich doch.

33:27 → 33:32

Das ist die schwierige Sache für einen Künstler:

33:32 → 33:35

Wist du bezahlt für die Zeiten,

33:35 → 33:37

in den du nur das Leben lebst

33:37 → 33:38

und dir Ideen holst,

33:38 → 33:39

um neue Arbeiten zu machen?

33:40 → 33:41

Im Gegensatz zu der Zeit,

33:41 → 33:43

in der ich tatsächlich im Studio bin

33:43 → 33:46

und beauftragt bin, ein Stück zu machen.

33:46 → 33:48

Wie finanzierst du dich,

33:48 → 33:53

um in der Lage zu sein, inspiriert zu sein?

33:53 → 33:56

Leben ist die Kunstform!

33:57 → 33:58

Und als werdende Mutter?

33:58 → 34:04

Dominique Lüdi: Ja, das wäre super, denn dann könnte ich mich in dem Maße, wie ich das möchte,

34:04 → 34:08

um das Kind kümmern, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

34:08 → 34:19

Und ich könnte mir das, was ich arbeiten möchte, so aufbauen,

34:19 → 34:25

wie ich das möchte und nicht, wie das die Arbeitsvermittlung möchte.

34:26 → 34:31

Ja, ich denke, es wäre sehr gut – gerade in dieser Situation.

34:31 → 34:33

Und wenn das Kind dann mal erwachsen ist,

34:34 → 34:36

kann es mit einem Grundeinkommen auch schneller ausziehen.

34:37 → 34:40

Kann man mit dem Grundeinkommen überhaupt erwachsen werden?

34:41 → 34:44

Wenn man weiß: 1 Einkommen ist ohnehin sicher?

34:44 → 34:48

Wie ist das mit dem Grundeinkommen und dem Erwachsenwerden?

34:48 → 34:55

Amaël Kienlen: Ich hätte nicht so viel Zeit gebraucht für meine Rebellion.

34:56 → 35:03

Ich hätte die Integration viel leichter angenommen oder einen Platz in der Gesellschaft,

35:03 → 35:08

weil der Preis existenziell nicht so teuer wäre.

35:10 → 35:14

Ich hätte weniger Angst gehabt, auf das Wichtigste verzichten zu müssen.

35:15 → 35:18

Renate Strub: Es hängt eben sehr viel damit zusammen,

35:18 → 35:24

es ist sehr viel in Verbindung damit und könnte auch sehr viel auslösen.

35:27 → 35:33

Götz Werner: Wir müssen ja immer mehr uns auch verantwortlich fühlen für alles andere, was auf der Welt passiert.

35:33 → 35:39

Wir können uns nicht isolieren in der Welt heute, die so geschrumpft ist.

35:39 → 35:44

Entscheidend ist, dass die Menschen erstmal die gedankliche Trennung von dem,

35:44 → 35:50

ein Einkommen zu beziehen, und dem, zu Arbeiten, dass sie die innerlich vollziehen,

35:50 → 35:54

dass sie innerlich realisieren: Ich habe ein Einkommen

35:54 → 35:58

um arbeiten zu können. Nicht: Ich arbeite, um ein Einkommen zu erhalten.

36:03 → 36:07

Ich persönlich betrachte das Grundeinkommen als eine Art archimedischen Punkt,

36:07 → 36:14

der dazu führen wird, dass viele andere Fragen dann in der Folge sich stellen werden.

36:14 → 36:17

Allerdings wird man eine große Bewegung nicht auslösen,

36:17 → 36:20

wenn man an vielen Stellen gleichzeitig ansetzen will.

36:21 → 36:23

Weiter kommen werden wir nur,

36:23 → 36:26

wenn wir auf die Kraft des Individuums setzen.

36:26 → 36:29

Die Kraft des Individuums, darauf wird es ankommen.

36:30 → 36:36

Kronen am Hauptbahnhof

37:36 → 37:41

Dass der Mensch fliegen könne, war über Jahrtausende eine Utopie.

37:41 → 37:45

Dass es nicht ging, sah man an denen, die es versuchten.

37:45 → 37:49

Technisch ist es eine Selbstverständigkeit geworden.

37:49 → 37:51

Oder das Wahlrecht!

37:52 → 37:55

Wie sollte denn da eine Gesellschaft funktionieren,

37:55 → 37:57

wenn jeder Hansel mitbestimmt?

37:57 → 37:59

Wenn der einfache Bürger

37:59 → 38:02

mit seinem beschränkten Horizont

38:02 → 38:06

und seinen ja doch nur privaten Interessen mitentscheiden kann,

38:06 → 38:09

was für den Staat als Ganzes gut sei?

38:09 → 38:13

Und dann kam es auch noch so, dass nicht nur Männer Bürger sind.

38:14 → 38:15

Sondern Frauen auch!

38:15 → 38:19

Frauen – sind doch viel zu emotional.

38:19 → 38:21

Man muss sie geradezu davor schützen,

38:21 → 38:24

mit ihren Entscheidungen alles durcheinander zu bringen.

38:24 → 38:27

Und wer macht dann die Hausarbeit?

38:28 → 38:33

Alles Argumente, die sich gegen ein Grundeinkommen wieder finden.

38:34 → 38:41

In der Schweiz wurde das Stimmrecht für Frauen dann 1971 eingeführt.

38:41 → 38:44

Zum Mond wurde schon 3 Jahre früher geflogen.

38:45 → 38:49

Und kurz bevor das geschah, hätte niemand für möglich gehalten,

38:50 → 38:53

dass ein solcher Umsturz gegen die Macht überhaupt geht.

38:53 → 38:56

Es geht ganz gut, was alles nicht geht.

39:00 → 39:03

Der Bürger war nicht mehr nur das,

39:03 → 39:07

was vom Staat regiert wird, sondern es kehrte sich um:

39:08 → 39:15

Jeder einzelne ist der politische Souverän und der Staat das, was er beauftragt;

39:15 → 39:19

in freien Wahlen und Volksabstimmungen.

39:20 → 39:25

Die Arbeit ist nicht mehr nur das, was der Arbeitsmarkt diktiert,

39:25 → 39:30

der Mensch nicht für die Wirtschaft da, sondern es kehrt sich um:

39:31 → 39:36

Jeder einzelne ist wirtschaftlich Souverän und die Arbeit das,

39:36 → 39:39

worin er seinen eigenen Auftrag sieht;

39:39 → 39:42

mit einer freien Einkommensbasis,

39:42 → 39:44

die jedem als Recht zusteht.

39:52 → 39:56

Thomas Morus war britischer Lord-Kanzler unter Heinrich VIII.

39:57 → 40:00

Er verweigerte seine Hand der Herrschaft des Unrechts

40:00 → 40:02

und wurde dafür geköpft.

40:03 → 40:06

1935 wurde er dafür heilig gesprochen.

40:07 → 40:10

Und im Jahre 2000 erklärte Papst Johannes Paul II

40:11 → 40:15

ihn zum Schutzpatron aller Politiker und der Regierenden.

40:15 → 40:18

Thomas Morus schrieb Utopia,

40:18 → 40:22

den Reisebericht von einer fernen Insel besserer Verhältnisse.

40:22 → 40:25

Andere Autoren taten es ihm nach.

40:25 → 40:29

Seit diesem Buch sprechen wir von Utopien.

40:29 → 40:33

U-Topos heißt: der Nicht-Ort.

40:46 → 40:51

Ideen zum Grundeinkommen finden sich schon in den Gesellschaftsutopien der Renaissance.

40:53 → 40:56

Utopien sind der Ort,

40:56 → 40:59

durch den man sagen kann, wo man selber ist.

41:04 → 41:09

Jede spätere Zeit macht ernst mit dem, was zuvor nur gedacht wurde.

41:09 → 41:11

Aufklärung!

41:11 → 41:15

Das heißt: Ich sage laut was ich sehe, was ich selber denke

41:16 → 41:17

und für wahr halte.

41:17 → 41:21

Und mache mein Wissen auch noch allen zugänglich.

41:21 → 41:24

Jede Zeit hat ihre neue Aufklärung.

41:24 → 41:26

Worauf kommt es dabei an?

41:28 → 41:36

Daniele Ganser: Ganz wichtig wird die eigenständige Fähigkeit zu denken sein, selber zu analysieren.

41:36 → 41:39

Weil in einer Umbruchsphase hergebrachte Denkmuster,

41:40 → 41:43

die vom Vater oder von der Mutter oder vom Lehrer

41:43 → 41:47

oder vom Pfarrer oder vom Doktor übernommen wurden,

41:47 → 41:53

sich plötzlich als falsch oder als beschränkt erweisen,

41:53 → 41:56

und man dann auf die kürze ein neues Denkmodell entdecken muss,

41:56 → 42:01

es für sich auch festigen muss.

42:01 → 42:05

Und das bedeutet dann, dass man an das selber glauben lernt, was man selber denkt.

42:06 → 42:11

Wenn man aufs Matterhorn will, muss man daran denken, früh aufzustehen.

42:11 → 42:14

Denn um die Mittagszeit muss man oben sein,

42:14 → 42:18

damit man beim Abstieg nicht in Dunkelheit und Kälte gerät.

42:18 → 42:20

Jeder Schweizer weiß das.

42:20 → 42:24

Beim Ölverbrauch sind wir alle auf den Gipfel gestürmt,

42:24 → 42:28

ohne dass sich jemand überlegt hätte, wie wir da wieder runter kommen.

42:28 → 42:32

Der „Peak of oil“, die größtmögliche Fördermenge, ist bald erreicht.

42:33 → 42:35

Und von da an geht es steil bergab.

42:35 → 42:41

Die Vollbeschäftigung in Erwerbsarbeit ist ebenfalls vorübergehend

42:41 → 42:43

und hat ihren Peak bereits überschritten.

42:47 → 42:52

Der Zukunftsforscher Jeremy Rifkin prophezeite 1995,

42:52 → 42:56

welches Ausmaß der Ausstieg aus der Vollbeschäftigung haben könnte.

42:57 → 43:01

Vielleicht werden noch 5% der erwachsenen Bevölkerung nötig sein,

43:01 → 43:06

um im Jahr 2050 die traditionellen Industrien zu managen und am Laufen zu halten.

43:06 → 43:12

Farmen, Fabriken und Büros fast ohne Arbeitskräfte werden in allen Ländern die Regel sein. Jeremy Rifkin

43:12 → 43:17

Rifkins Prognosen sind umstritten, aber nicht aus der Luft gegriffen.

43:17 → 43:23

1982 wurden in den USA 75 Mio. Tonnen Stahl hergestellt.

43:23 → 43:27

300.000 Menschen waren damit beschäftigt.

43:27 → 43:31

20 Jahren weiter wurden 100 Mio. Tonnen Stahl hergestellt,

43:31 → 43:35

aber nur noch ein Viertel der Belegschaft musste dafür arbeiten.

43:35 → 43:38

Neue Arbeitsplätze sind dabei auch entstanden.

43:38 → 43:44

Ein Paar hundert vielleicht im Consulting und in hoch spezialisierter Technologie.

43:44 → 43:47

So ist es nicht nur in der klassischen Produktion,

43:48 → 43:51

sondern auch in vielen Bereichen der Dienstleistung.

43:51 → 43:54

Die Net-Bank ist ein extremes Beispiel,

43:54 → 43:56

macht aber eine Entwicklung deutlich.

43:56 → 43:59

Sie benötigt nur noch ein Zehntel der Mitarbeiter

44:00 → 44:02

bei gleicher Höhe an Kundeneinlagen

44:02 → 44:05

gegenüber einer konventionellen Bank.

44:05 → 44:09

Diese Entwicklung ist nicht beschränkt auf ehemalige Industriestaaten.

44:09 → 44:11

Sondern generell und weltweit

44:11 → 44:14

sinkt die Zahl der Beschäftigten

44:14 → 44:16

im Verhältnis zur Produktivität.

44:18 → 44:26

Der Rohstoff des 21. Jahrhunderts ist die Kreativität. Adrienne Goehler

44:26 → 44:30

Adrienne Goehler: Die Arbeitsplätze der Zukunft werden sich ganz stark

44:30 → 44:33

an dem Modell der Künstler und Publizisten orientieren:

44:33 → 44:41

Nicht betriebsförmig, mal wenig, mal viel Geld, mal wenig, mal viel Arbeit, mal alleine, mal im Team,

44:41 → 44:46

befristet, meistens befristet und häufig von zuhause aus.

44:47 → 44:53

Daniele Ganser: Das neue Zeitalter wird verlangen, dass wir uns nicht von Angst oder Gier oder Hass steuern lassen,

44:53 → 44:57

sondern unsere höchsten Visionen leben, so gut es eben möglich ist.

45:03 → 45:06

Vor 100 Jahren erzeugte einer,

45:06 → 45:08

der in der Landwirtschaft arbeitete,

45:08 → 45:10

Nahrung für 3 weitere Menschen.

45:11 → 45:16

Heute erzeugt ein Landwirt genug für 120 Menschen.

45:17 → 45:19

Woran das liegt, sieht man hier.

45:21 → 45:25

Und so ist es und wird es fast überall.

45:32 → 45:36

Heute bewegt ein Mensch mit seiner Arbeit 100-fach mehr als noch vor 100 Jahren.

45:36 → 45:38

(add-on: Unsere technischen Geschöpfe nehmen uns viel Arbeit ab)

45:39 → 45:42

Das sind Ziele der Generationen vor uns.

45:42 → 45:45

Was sind jetzt die Ziele?

45:45 → 45:47

Dass es einfach mal so weiter geht

45:47 → 45:50

und der Fortschritt für immer mehr Menschen zum Rückschritt wird?

45:52 → 45:55

Zurück in die Angst ums schiere Überleben?

45:55 → 45:58

Als bräuchten wir keine weiteren Ideen mehr?

45:59 → 46:03

Technische Innovation scheint heute wie von alleine zu gehen.

46:03 → 46:07

Ganz anders ist es mit sozialer Innovation.

46:09 → 46:12

Muss dafür der Kahn erstmal untergehen?

46:17 → 46:20

Wenn der Kopf still steht, geht der Körper zurück.

46:24 → 46:28

Soziale Veränderungen brauchen eine andere Kraft als die,

46:28 → 46:30

mit der Maschinen schieben.

46:33 → 46:39

Im Fahrwasser des Fortschritts dümpelt das Soziale eher so vor sich hin.

46:39 → 46:42

Wie ist das mit dem Sozialstaat?

46:42 → 46:43

Faust

46:44 → 46:52

Mephistopheles: Wer will was Lebendiges erkennen und beschreiben,

46:52 → 47:01

sucht erst den Geist heraus zu treiben.

47:01 → 47:07

Dann hat er die Teile in seiner Hand.

47:11 → 47:23

Fehlt leider nur (das Grundeinkommen) das geistige Band.

47:23 → 47:26

Schüller: Kann Euch eben nicht ganz verstehen.

47:26 → 47:34

Schüller: Mir wird von alle dem so dumm, als ginge mir ein Mühlrad im Kopf herum.

47:34 → 47:36

Das Missverständnis beginnt,

47:37 → 47:39

wenn jemand zur Arbeit geht und meint,

47:39 → 47:42

das tue er für sich, weil er ein Einkommen erhält.

47:42 → 47:45

Ein Einkommen erhält aber jeder,

47:45 → 47:47

weil jeder es braucht.

47:47 → 47:50

Weil jeder auf die Leistungen anderer angewiesen ist.

47:51 → 47:54

Wenn das Einkommen unmittelbar mit Arbeit verbunden wäre,

47:55 → 47:57

dann müssten die Maschinen die meisten Einkommen erhalten.

47:58 → 48:00

Es ist aber so, dass die Menschen,

48:00 → 48:02

deren Arbeit sie übernehmen,

48:02 → 48:04

weiterhin ein Einkommen brauchen.

48:07 → 48:11

Das Grundeinkommen schafft nicht etwa die Erwerbsarbeit ab,

48:11 → 48:14

aber es nimmt ihr die Totalität.

48:14 → 48:18

Es schafft mehr Spielräume für Ernsthaftigkeit.

48:18 → 48:22

Und der Sinn liegt nicht nur in der Funktion.

48:35 → 48:41

Die Waschmaschine kostete in der Schweiz vor bald 50 Jahren 3.550 Franken.

48:42 → 48:43

Das war viel Geld.

48:43 → 48:50

Die gleiche Waschmaschine 50 Jahre weiterentwickelt kostet heute 3.195 Franken.

48:50 → 48:53

Der Preis ist also annähernd gleich geblieben.

48:53 → 48:58

Aber vor 50 Jahren war 1 Franken 3-mal so viel wert wie heute.

48:58 → 49:01

Das heißt, die Waschmaschine kostet nur noch ein Drittel von dem,

49:02 → 49:04

was sie vor 50 Jahren kostete.

49:05 → 49:12

Der Haarschnitt für den Herrn kostete vor 50 Jahren etwa 3,50 Franken und heute etwa 40 Franken.

49:14 → 49:17

Das heißt, wo Methoden optimiert werden konnten,

49:17 → 49:22

Technologie zum Einsatz kommt und längst nicht mehr so viele Menschen gebraucht werden wie früher,

49:22 → 49:24

sind die Kosten gesunken.

49:24 → 49:29

Wo das nicht der Fall ist, beim Friseur zum Beispiel, sind sie gestiegen.

49:29 → 49:32

Teuer ist menschliche Arbeit.

49:33 → 49:35

Weil Menschen ein Einkommen brauchen.

49:35 → 49:38

Und weil auf ihre Arbeit auch die Steuer erhoben wird.

49:39 → 49:45

Dabei verdient ein Friseur, auf die Kaufkraft gesehen, heute nicht mehr als früher.

49:45 → 49:48

Aber an dem Verhältnis der Preise lässt sich sehen,

49:48 → 49:51

wo und in welchem Maße rationalisiert werden konnte

49:52 → 49:55

und was Rationalisierung für uns bedeutet.

49:55 → 49:59

Wäre es bei der Waschmaschine weiter gegangen wie bei den Friseuren,

49:59 → 50:03

dann würde sie heute 40.000 Franken kosten.

50:14 → 50:18

Bodo von Plato: Wenn ich nicht weiß, was die Waschmaschine mir abgenommen hat –

50:18 → 50:20

– nämlich nicht nur, dass sie meine Wäsche wäscht –

50:21 → 50:23

– dann bekomme ich keine Antwort auf die Frage,

50:24 → 50:28

ob das bedingungslose Grundeinkommen ein Kulturimpuls ist.

50:32 → 50:35

Schon vor 212 Jahren

50:35 → 50:40

forderte Thomas Paine in seiner Schrift „Agrarian Justice“ ein Grundeinkommen.

50:40 → 50:42

Er begründete das so:

50:42 → 50:46

Alle Menschen sind von Geburt gleich, und die Erde ernährt alle.

50:46 → 50:51

Wenn ein Mensch geboren wird, hat er das Anrecht auf ein Stück Land, das ihn ernähren kann.

50:52 → 50:56

Wenn aber alles Land schon aufgeteilt ist unter wenigen,

50:56 → 50:58

die meinen, das sei ihr Eigentum,

50:58 → 51:01

dann muss ein Ausgleich geschaffen werden.

51:01 → 51:05

Dieser Ausgleich ist ein Grundeinkommen für diejenigen,

51:05 → 51:07

die kein eigenes Land mehr haben

51:07 → 51:10

und sich deshalb nicht selbst versorgen können.

51:13 → 51:17

Seit dem ist der Wind in eine andere Richtung übers Land gegangen.

51:17 → 51:22

Denn auch wer eigenes Land hat, kann sich heute nicht mehr selbst versorgen.

51:22 → 51:26

Es läuft für alle besser, wenn ich mir den Trecker nicht selber bauen muss

51:26 → 51:31

und die Wiese nicht nur für den eigenen Hausgebrauch dünge:

51:31 → 51:34

Wenn der Ertrag meiner Arbeit immer für andere ist.

51:35 → 51:36

Selbstversorgung heißt,

51:37 → 51:40

dass ich mir mein Gemüse selber ziehe und von dem lebe,

51:40 → 51:42

was ich selber herstellen kann.

51:43 → 51:47

Was hierzulande wie Selbstversorgung aussieht,

51:47 → 51:51

ist ein Erfahrungsfeld, keine Selbstversorgung.

51:52 → 51:54

Wir leben in der Fremdversorgung.

51:54 → 51:59

Und das heißt: was ich in meiner Arbeit tue, ist für andere,

52:00 → 52:04

und was ich für mich in Anspruch nehme, haben andere geleistet.

52:04 → 52:07

Mit Geld funktioniert dieses Zusammenspiel.

52:08 → 52:11

Was durch Arbeit an Wert geschöpft wurde, löst sich ein,

52:11 → 52:16

wenn der Käse über den Ladentisch geht und das Geld in die andere Richtung.

52:38 → 52:43

Im Lohn aber hat sich die Mentalität der Selbstversorgung erhalten.

52:43 → 52:49

Weil ich bezahlt werde für das, was ich tue, meine ich, es sei für mich, was ich tue.

52:49 → 52:55

Eine Sufi-Legende vom Unterschied zwischen Himmel und Hölle.

52:55 → 52:59

Es steht ein gutes Essen bereit – in der Hölle.

52:59 → 53:01

Und lange Löffel.

53:01 → 53:03

Und jeder nimmt sich einen.

53:41 → 53:44

Im Himmel ist alles genau gleich.

53:44 → 53:48

Es steht ein gutes Essen bereit – und Löffel.

53:48 → 53:51

Und jeder nimmt sich einen.

54:27 → 54:37

In der FREMDVERSORGUNG ist der Ertrag meiner Arbeit, dass andere satt werden.

54:38 → 54:45

Erst die Initiative ANDERER ist es, von der ich etwas habe.

54:46 → 54:52

INITIATIVE aber kann ich nicht kaufen, sondern nur ermöglichen.

54:52 → 54:57

Hans Stallkamp: Und in diesem Paradigmenwechsel muss es doch wohl beschämend sein,

54:57 → 54:59

wenn ich den anderen, der für mich arbeitet,

54:59 → 55:06

verdonnere, dass er in den Staub kriechen muss, damit er überleben kann.

55:09 → 55:13

Klaus Wellershof: Ich glaube, das Zeichen der Neuzeit für mich ist die absolute Individualisierung der Gesellschaft.

55:14 → 55:17

Die Menschen haben eigene Ziele, eigene Vorstellungen,

55:17 → 55:20

und sie suchen natürlich auch nach den Mitteln, mit denen sie die umsetzen können.

55:20 → 55:24

Und da spielt Geld in der arbeitsteiligen Gesellschaft eine ganz große Rolle.

55:24 → 55:27

Das heißt, das Geld als Mittel zur Freiheit,

55:27 → 55:30

ich glaube, das ist das Thema, um das wir uns drehen müssen.

55:30 → 55:33

Dass viele Menschen dann das aber nicht schaffen,

55:33 → 55:36

sozusagen zum Sklaven des Geldes werden und

55:36 → 55:40

den ursprünglich angelegten Aufbruch in die Freiheit dadurch eigentlich wieder verlieren,

55:40 → 55:44

das ist die Tragik und Ironie unserer augenblicklichen Situation.

55:45 → 55:50

Sklave des Geldes zu werden, was ist das?

55:52 → 55:55

Dass man alles Tun am Geld misst.

55:55 → 55:58

Als sei das Geld der Wert.

55:58 → 56:02

Und meint, mit Geld müsse man vor allem mehr Geld haben.

56:02 → 56:07

Mehr Verfügungsgewalt über das Geld anderer und deren Lebensraum.

56:07 → 56:14

Die Sklaven des Geldes versklaven andere mit der Macht, die sie dem Geld geben.

56:14 → 56:18

Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen würde ein Teil allen Geldes

56:18 → 56:24

aus demokretischen Beschluss für jeden und alle Mittel zur Freiheit.

56:25 → 56:28

Das Geld ist die Magd, der Mensch die Königin.

56:29 → 56:34

Schafft das auch bessere Bedingungen für die globalen Aufgaben?

56:35 → 56:36

Jakob von Uexküll: Ich glaube auf jeden Fall.

56:36 → 56:40

Es würde ja erstmal Freiheit schaffen, das zu tun in der Welt, was nötig ist.

56:40 → 56:43

Denn wir haben jetzt eine Situation, die total absurd ist.

56:43 → 56:46

Investmentberater sagen, das große Problem für sie ist,

56:46 → 56:48

dass es so viel Geld gibt, dass es zu viel Geld gibt.

56:48 → 56:53

Und gleichzeitig gibt es Produktionsüberkapazitäten fast überall.

56:53 → 56:56

Und dann gibt es eine riesige Arbeitslosigkeit, die immer steigt,

56:56 → 56:58

und dann gibt es unglaublich viele ungelöste Aufgaben.

56:58 → 57:02

Also, es gibt sehr vieles, was wir machen müssen und können und zwar sehr dringend,

57:02 → 57:04

wenn wir nicht in die globale Katastrophe steuern wollen.

57:05 → 57:08

Die Welt-Landwirtschaft kann Lebensmittel erzeugen für 12 Milliarden Menschen.

57:08 → 57:12

Auf der Erde leben 6,6 Milliarden Menschen.

57:12 → 57:15

An Hunger und seinen Folgen sterben in jeder Stunde 1000 Menschen

57:20 → 57:25

Peter Brabeck: Wasser ist ein Lebensmittel,

57:25 → 57:29

So wie jedes anderes Lebensmittel sollte es einen Marktwert haben.

57:29 → 57:31

Jean Ziegler

57:31 → 57:33

(Brot)

57:33 → 57:38

Ein Kind, das an Hunger stirbt heute, wird ermordet.

57:43 → 57:48

Das Geld fließt nicht dahin, wo es gebraucht wird.

57:49 → 57:52

Es verschließt sich sozialer Realität,

57:52 → 57:55

abgehoben in die scheinbare Selbstvermehrung.

57:56 → 57:58

Vor der Tür wird´s knapp.

57:58 → 58:01

Die großen Summen finden als Inzest statt.

58:03 → 58:07

Was da raus kommt, sieht nicht nach mehr Lebensmöglichkeiten für alle aus.

58:07 → 58:11

Sondern der angelegte Gewinn implodiert zum rasenden System.

58:11 → 58:13

Statt Zukunft: Wetten das?

58:21 → 58:26

Renate Ignazio-Keller: Dass Einkommen und Arbeit voneinander getrennt werden muss, das, glaube ich,

58:26 → 58:29

zeigt uns die Realität immer deutlicher.

58:29 → 58:33

Und ich denke, dass das Grundeinkommen wirklich eine Lösung

58:33 → 58:37

auch für die Arbeitslosigkeit sein kann.

58:37 → 58:42

Denn tatsächlich gibt es unglaublich viel zu tun, aber es gibt kein Geld dafür.

58:42 → 58:48

Und ich denke, dass das Grundeinkommen eine Form wäre, das Geld dahin zu leiten,

58:48 → 58:54

wo es gebraucht wird und Menschen freizustellen, das zu tun, was in ihren Impulsen liegt.

58:56 → 58:59

Arbeit und Einkommen trennen –

58:59 → 59:03

– das macht das Grundeinkommen in seiner Höhe.

59:03 → 59:06

Aber wie wäre das in einer Gesellschaft zu organisieren?

59:08 → 59:13

Der Kreis stellt die Wertschöpfung in einer Volkswirtschaft dar.

59:13 → 59:16

Umso produktiver sie ist, umso größer.

59:17 → 59:20

Als Wertschöpfung einer Volkswirtschaft bezeichnet man das,

59:21 → 59:23

was im Laufe eines Jahres in einem Land

59:23 → 59:26

an Dienstleistungen und Produkten hergestellt,

59:26 → 59:30

weiterverarbeitet und dann auch verkauft wird.

59:31 → 59:37

Diese Wertschöpfung teilt sich in einen Staatsanteil und einen Privatanteil.

59:37 → 59:40

Etwa die Hälfte der gesamten Wertschöpfung

59:40 → 59:44

geht über Steuern und Abgaben an den Staat.

59:44 → 59:48

Damit bezahlen wir unsere Schulen, die Polizei,

59:48 → 59:51

Sozialleistungen und alle weiteren Leistungen,

59:51 → 59:55

die nicht der einzelne bezahlen soll, der sie in Anspruch nimmt,

59:55 → 59:58

sondern die wir als Gemeinschaft tragen wollen.

59:58 → 1:00:02

Leistungen, die wir demokratisch beauftragen.

1:00:04 → 1:00:10

In der Schweiz betrug die Staatsquote im Jahre 2005 36%.

1:00:10 → 1:00:13

In Schweden 56%.

1:00:13 → 1:00:18

In Österreich machte sie genau die Hälfte der Wertschöpfung aus, 50%.

1:00:18 → 1:00:22

Und in Deutschland lag sie bei 47%.

1:00:22 → 1:00:26

Wie sähe das nun aus mit einem Grundeinkommen?

1:00:26 → 1:00:30

Bei den Einkommen, die der Staat auszahlt,

1:00:30 → 1:00:36

wäre die Einführung des Grundeinkommens nur eine Änderung in der Art der Auszahlung.

1:00:36 → 1:00:41

Denn das Geld für diese Einkommen ist ja durch die vorhandene Steuer bereits beim Staat.

1:00:41 → 1:00:46

Auch heute zahlt der Staat diese Einkommen aus Steuergeldern –

1:00:46 → 1:00:49

– Einkommen seiner Angestellten, seiner Beamten

1:00:49 → 1:00:53

und der Empfänger staatlicher Transfergelder.

1:00:53 → 1:00:56

Bei all diesen Einkommen wäre die Einführung

1:00:56 → 1:01:00

des Grundeinkommens nur eine Änderung in der Buchhaltung.

1:01:01 → 1:01:04

Bei den privatwirtschaftlichen Einkommen

1:01:04 → 1:01:08

ist das Geld für ein Grundeinkommen noch nicht beim Staat.

1:01:08 → 1:01:11

Es muss erst durch Steuern an den Staat fließen,

1:01:11 → 1:01:14

damit er es als Grundeinkommen auszahlen kann.

1:01:14 → 1:01:17

Dadurch erhöht sich die Staatsquote.

1:01:17 → 1:01:19

Heißt das, noch mehr Staat?

1:01:19 → 1:01:25

Das heißt: Weniger Staat – weniger Schnüffelei und Bevormundung, weniger Verwaltung.

1:01:25 → 1:01:33

Der Staat ist für das Grundeinkommen lediglich Treuhänder und Garant des Rechtsanspruchs.

1:01:33 → 1:01:35

Aber die Steuer wird höher!

1:01:35 → 1:01:38

Und welche Steuer könnte das sein?

1:01:39 → 1:01:43

Am naheliegendsten ist da immer, es von denen zu nehmen, die besser verdienen.

1:01:43 → 1:01:48

Diese Idee, eine Art Grundeinkommen durch höhere Einkommenssteuer zu finanzieren,

1:01:48 → 1:01:50

hatte auch schon Milton Friedman.

1:01:51 → 1:01:56

Bedürftigen Haushalten sollte dafür Einkommenssteuer ausgezahlt werden.

1:01:56 → 1:01:59

Negative Einkommenssteuer nannte er das.

1:01:59 → 1:02:02

Sein Modell dominierte bis in die 90er Jahre

1:02:02 → 1:02:06

die Debatte um die Finanzierung eines Grundeinkommens.

1:02:06 → 1:02:09

Entwickelt wurde es in den 60ern

1:02:09 → 1:02:13

und stand in den USA kurz vor einer staatlichen Einführung.

1:02:13 → 1:02:19

Milton Friedman ging es um einen schlanken, liberalen Sozialstaat.

1:02:19 → 1:02:26

50 Jahre später würde eine Finanzierung durch die Einkommenssteuer sich auf das abstützen,

1:02:26 → 1:02:29

was tendenziell weniger wird – die Erwerbsarbeit.

1:02:30 → 1:02:32

So geht es heute dem Sozialstaat.

1:02:33 → 1:02:39

Mehr Erwerbslose heißt weniger Steuereinnahmen aus der Einkommenssteuer.

1:02:40 → 1:02:45

Und höhere Einkommenssteuern belasten die Erwerbsarbeit noch mehr.

1:02:46 → 1:02:49

Die Katze beißt sich in den Schwanz.

1:02:49 → 1:02:52

Das Widersinnige an der Einkommenssteuer ist,

1:02:52 → 1:02:57

dass sie die Leistung besteuert und damit ihre eigene Basis auffrisst.

1:03:01 → 1:03:04

Welche Steuern also könnten es heute sein?

1:03:04 → 1:03:07

Schauen wir uns einmal in diesen Unternehmen konkret an,

1:03:08 → 1:03:10

wie das heute mit der Steuer überhaupt ist.

1:03:13 → 1:03:15

Ein Kaffeehaus in Basel.

1:03:16 → 1:03:18

Über 1000 Gäste am Tag,

1:03:19 → 1:03:22

40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

1:03:22 → 1:03:25

3.5 Mio. Franken Umsatz im Jahr.

1:03:25 → 1:03:28

Und wie ist das mit der Steuer?

1:03:30 → 1:03:32

Daniel Häni: Steuern sind in einem Unternehmen immer Kosten.

1:03:33 → 1:03:37

Und alles, was Kosten sind, muss durch den Verkauf wieder reinkommen –

1:03:37 → 1:03:40

– sonst hat man dann bald kein Unternehmen mehr.

1:03:41 → 1:03:46

Es gibt grundsätzlich drei Arten von Steuern:

1:03:46 → 1:03:47

eine ist die Mehrwertsteuer –

1:03:47 → 1:03:49

– die wird direkt vom Konsumenten bezahlt –

1:03:49 → 1:03:53

und dann gibt es die Lohnnebenkosten und die Einkommenssteuer.

1:03:54 → 1:03:59

Die Mehrwertsteuer steht auf jedem Kassenzettel und ist für jeden sichtbar.

1:04:00 → 1:04:03

Für das Unternehmen stellt sie keine Kosten dar

1:04:03 → 1:04:05

und erscheint auch nicht in der Betriebsrechnung.

1:04:05 → 1:04:08

Und wie ist das mit den Lohnnebenkosten?

1:04:08 → 1:04:11

Daniel Häni: Da muss ich so tun, als würden die Mitarbeiter

1:04:12 → 1:04:15

und das Unternehmen jeweils zur Hälfte die Abgaben bezahlen.

1:04:15 → 1:04:17

Ich schreibe das dem Mitarbeiter so aufs Lohnblatt –

1:04:17 → 1:04:20

– es ist so vorgeschrieben, ich kann gar nicht anders –

1:04:20 → 1:04:22

– und natürlich auch in die Buchhaltung.

1:04:22 → 1:04:25

Das Geld aber wird zu beiden Teilen vom Unternehmen einbezahlt

1:04:25 → 1:04:27

und kommt eben, wie gesagt, von den Gästen.

1:04:29 → 1:04:34

Das Geld für die Einkommenssteuer bekommen die Mitarbeiter tatsächlich,

1:04:34 → 1:04:37

bevor sie es dann der Steuerbehörde überweisen.

1:04:37 → 1:04:43

Und selbstverständlich sind auch die Einkommenssteuern bereits in die Verkaufspreise einkalkuliert.

1:04:44 → 1:04:48

Was bezahle ich denn da, wenn ich eine Latte Macchiato trinke?

1:04:48 → 1:04:50

Das ist eine mit einem Espresso befleckte Milch.

1:04:50 → 1:04:53

Die kostet hier 5,20 Franken.

1:04:54 → 1:04:58

Ein Viertel des Preises dient zur Deckung der Infrastruktur.

1:04:58 → 1:05:03

Das sind die Kosten für das Gebäude, für Energie, Mobiliar und Geschirr.

1:05:04 → 1:05:07

Ein weiteres Viertel im Preis ist für die Warenkosten.

1:05:08 → 1:05:12

Das ist die Milch, der Kaffee und wer will, auch noch Zucker.

1:05:12 → 1:05:15

Den größten Anteil im Preis machen die Löhne aus.

1:05:15 → 1:05:17

Das ist für den Service.

1:05:17 → 1:05:22

Aber auch für die, die sauber machen und die das ganze organisieren.

1:05:23 → 1:05:26

Und oben darauf kommt dann noch die Mehrwertsteuer.

1:05:26 → 1:05:29

In der Schweiz nur 7,6%.

1:05:29 → 1:05:33

Das ist die Steuer, die erst fällig wird, wenn der Kunde kauft.

1:05:34 → 1:05:38

Wenn also alle Mühe der Wertschöpfung sich einlöst.

1:05:38 → 1:05:41

Wenn nämlich dem Kellner vorher das Tablett aus der Hand fällt,

1:05:41 → 1:05:43

dann war's das mit der Wertschöpfung,

1:05:44 → 1:05:49

auch wenn von der Alpwiese bis hierhin schon viel Arbeit in die Latte Macchiato geflossen ist.

1:05:49 → 1:05:53

Eine verschüttete Latte Macchiato – ist keine Latte Macchiato.

1:05:53 → 1:05:56

Und hat auch keine Mehrwertsteuer.

1:05:57 → 1:06:02

Die Mehrwertsteuer steht am Ende der Wertschöpfung und ist deutlich ausgewiesen.

1:06:02 → 1:06:05

Es sind aber auch Steuern im Preis, die man nicht sieht,

1:06:05 → 1:06:09

und die schon auf dem Wege der Wertschöpfung erhoben wurden.

1:06:09 → 1:06:14

In den Löhnen sind das die Einkommenssteuern, Lohnnebenkosten und Sozialabgaben.

1:06:15 → 1:06:21

In den Warenkosten sind aber auch Steuern enthalten, denn da wurden auch Einkommen gezahlt,

1:06:21 → 1:06:26

auf denen lagen auch Steuern, und die wurden auch in die Preise weitergegeben.

1:06:26 → 1:06:30

Und genauso ist es bei den Infrastrukturkosten.

1:06:30 → 1:06:32

Zahlen tut sie der Konsument.

1:06:32 → 1:06:35

Denn erst was er ausgibt, ist das Geld,

1:06:35 → 1:06:39

mit dem alles andere bezahlt wird. Auch die Steuer.

1:06:39 → 1:06:43

Wie sähe es aus, wenn man das mal deutlich macht?

1:06:46 → 1:06:49

Wäre die Steuer so in einem Betrag –

1:06:49 → 1:06:52

– jedem sichtbar wie die Mehrwertsteuer –

1:06:52 → 1:06:54

– erst am Ende der Wertschöpfung fällig,

1:06:54 → 1:06:58

dann würde die Steuer erst in den reifen Apfel beißen

1:06:58 → 1:07:01

und nicht schon vorher an ihm herum knabbern.

1:07:01 → 1:07:04

Dann könnte auch jeder sehen im Preis

1:07:04 → 1:07:10

mit wie viel Geld er beisteuert zu seinem Staat und ihn mitsteuert.

1:07:11 → 1:07:14

Die Demokratie findet an der Kasse statt.

1:07:15 → 1:07:17

An der Kasse sind alle gleich.

1:07:29 → 1:07:35

Schwarzarbeit gäbe es nicht mehr, wenn die Steuer nur noch Mehrwertsteuer wäre.

1:07:35 → 1:07:38

Denn dann würde auf die Arbeit keine Steuer mehr erhoben.

1:07:38 → 1:07:41

Aber Schwarzverkäufe wären sehr verlockend.

1:07:41 → 1:07:46

Statt 40 Franken beim Friseur unter der Hand nur noch 20 zahlen?

1:07:46 → 1:07:47

Das macht viel aus.

1:07:47 → 1:07:50

Wo keine Quittungen ausgestellt werden,

1:07:50 → 1:07:53

könnte die hohe Endsteuer auch unterschlagen werden.

1:07:54 → 1:07:56

Wenn es aber nur noch diese eine Steuer gäbe,

1:07:56 → 1:08:00

hätte as auch die Steuerfahndung leichter und könnte effektiver sein.

1:08:00 → 1:08:04

Nur Steuerberater lohnen sich dann nicht mehr so.

1:08:04 → 1:08:11

Viel bürokratischer Aufwand in den Unternehmen und in der Finanzverwaltung nähme ab.

1:08:11 → 1:08:15

Georg Vobruba: Sie haben in einer entgrenzten Welt Chancen,

1:08:15 → 1:08:19

nachhaltig Steuern einzunehmen als Staat nur dann,

1:08:19 → 1:08:25

wenn Sie eine Steuerquelle auftreiben können, die Ihnen nicht davon laufen kann.

1:08:25 → 1:08:30

Diese Steuer, die nicht davon laufen kann, ist die Mehrwertsteuer.

1:08:30 → 1:08:35

Sie wird da fällig, wo der Konsument sein Geld ausgibt.

1:08:35 → 1:08:38

Darum kann man sie auch Ausgaben- oder Konsumsteuer nennen.

1:08:39 → 1:08:45

Diese Steuer zahlt nicht, wer die Latte Macchiato bringt, sondern wer sie trinkt.

1:08:49 → 1:08:52

Die Einkommenssteuer hingegen tut so,

1:08:52 → 1:08:55

als sei mein Einkommen der Ertrag meiner Arbeit;

1:08:55 → 1:08:58

weil es das ist, was ich mit nach Hause bringe.

1:08:58 → 1:09:01

Die Einkommenssteuer ist die Steuer der Selbstversorgung

1:09:01 → 1:09:04

Sie ist die Steuer der Selbstversorgung und schafft in der Fremdversorgung Probleme.

1:09:04 → 1:09:07

Mehr alte Menschen, mehr Erwerbslose –

1:09:07 → 1:09:12

– mit der Konsumsteuer wäre das für den Staat finanziell kein Problem.

1:09:12 → 1:09:14

Denn konsumiert wird immer.

1:09:14 → 1:09:16

Und produziert wird genug.

1:09:17 → 1:09:21

Aber gerade da zeigt sich ein weiteres Probleme mit der Einkommenssteuer.

1:09:22 → 1:09:26

Denn unter ihr ist die Maschinenarbeit von der Steuer befreit.

1:09:29 → 1:09:34

Wenn 2 Produkte heute das gleiche kosten, von denen aber das eine

1:09:34 → 1:09:38

vorwiegend von Menschen gemacht wurde und das andere vorwiegend von Maschinen,

1:09:38 → 1:09:42

dann sind im Preis des einen relativ viele Steuern enthalten

1:09:42 → 1:09:45

und im Preis des anderen wenige.

1:09:46 → 1:09:49

Weil Maschinen kein Einkommen haben,

1:09:49 → 1:09:52

ist ihre Arbeit weitgehend steuerfrei.

1:09:52 → 1:09:55

Das ist wie Schwarzarbeit.

1:09:56 → 1:09:59

Links, das könnte so sein beim Friseur.

1:09:59 → 1:10:01

Und rechts bei der Waschmaschine.

1:10:02 → 1:10:05

Weil die Steuern auf menschliche Arbeit erhoben werden,

1:10:05 → 1:10:10

sind bei dem einen im Preis viel Steuern enthalten und beim anderen weniger.

1:10:11 → 1:10:15

Nimmt man jetzt bei beiden nur den effektiven Preis der Wertschöpfung,

1:10:15 → 1:10:18

ohne die vorher eingerechnete Steuer,

1:10:18 → 1:10:23

und setzt auf beide den gleichen Prozentsatz Konsumsteuer auf,

1:10:23 → 1:10:26

bis sie beide zusammen das Steuervolumen ereichen,

1:10:26 → 1:10:29

das vorher in den roten Flächen abgebildet war,

1:10:29 → 1:10:35

dann kostet das eine weniger als heute und das andere mehr.

1:10:35 → 1:10:39

Weil Maschinenarbeit nicht mehr steuerlich subventioniert wird.

1:10:39 → 1:10:45

Die arbeitet von Menschen und die von Maschinen wäre steuerlich gleichgestellt,

1:10:45 → 1:10:49

weil die Steuer erst auf das Ergebnis der Wertschöpfung kommt.

1:10:49 → 1:10:54

Maschinen würden nicht nur die Arbeit übernehmen, sondern auch das Steueraufkommen.

1:10:55 → 1:11:00

Und würde der Haarschnitt für den Herrn bei dieser Konsumsteuer noch das gleiche kosten wie heute,

1:11:00 → 1:11:04

dann wäre das Steueraufkommen insgesamt erheblich gestiegen.

1:11:09 → 1:11:15

Wenn die Steuern, wie heute, zu einem großen Teil schon in den Produktpreisen enthalten sind,

1:11:15 → 1:11:19

dann gehen sie mit dem Produkt auch über die Grenze.

1:11:20 → 1:11:23

Dann zahlen die Leute im Ausland das Bildungssystem,

1:11:23 → 1:11:27

die Infrastruktur, den Sozialstandard der Schweiz mit,

1:11:27 → 1:11:30

wenn sie ein Produkt aus der Schweiz kaufen.

1:11:30 → 1:11:34

Das ist die eine Ungerechtigkeit.

1:11:34 → 1:11:36

Und die andere?

1:11:37 → 1:11:41

Was hier so günstig aus dem Ausland einzukaufen ist,

1:11:41 → 1:11:45

ist neben anderen Gründen auch deshalb so billig,

1:11:45 → 1:11:48

weil dort weniger staatliche Leistungen für die Menschen stattfinden,

1:11:48 → 1:11:52

und darum im Preis weniger mitzubezahlen ist.

1:11:56 → 1:11:59

Die Konsumsteuer käme auf alle Importe,

1:11:59 → 1:12:02

alles, was zum Verkaufen ins Land kommt.

1:12:02 → 1:12:06

Und was im Land hergestellt wird, hätte die gleiche Steuer.

1:12:06 → 1:12:10

Sie kommt auf alles, was im Land verkauft wird.

1:12:10 → 1:12:14

Denn sie kommt ja auch den Menschen zugute, die im Land leben.

1:12:14 → 1:12:18

Die Konsumsteuer ist aber kein Exportgut.

1:12:18 → 1:12:23

Geht das Produkt über die Grenze, geht die Steuer nicht mit.

1:12:23 → 1:12:27

Jedes Land bleibt Souverän, seinen eigenen Staatshaushalt zu beschließen.

1:12:27 → 1:12:30

Und ihn auch selbst zu bezahlen.

1:12:30 → 1:12:34

Die Konsumsteuer ist die gerechte Steuer der Globalisierung.

1:12:34 → 1:12:38

Die faire Steuer für den fairen Handel.

1:12:38 → 1:12:42

Und hier wurde sie erfunden, die Steuer auf dem Verkauf:

1:12:42 → 1:12:46

Die Brühlschen Terrassen am Elbufer im Dresden.

1:12:46 → 1:12:51

Graf Heinrich von Brühl hatte die Idee einer Abgabe auf alle Verkäufe im Land.

1:12:53 → 1:12:59

Gut 200 Jahre später wurde in der Bundesrepublik Deutschland eine ähnliche Steuer eingeführt,

1:12:59 → 1:13:03

aber ganz anders gerechnet: die Mehrwertsteuer.

1:13:03 → 1:13:08

Sie gibt der Arbeitsteilung mehr Raum und ist wettbewerbsneutral.

1:13:09 → 1:13:14

In Deutschland macht sie mit ihren 19% mittlerweile den größten einheitlichen Steuerposten aus.

1:13:15 → 1:13:18

In Schweden liegt sie bei 25%.

1:13:18 → 1:13:21

Für den Beitritt in die EU ist sie Voraussetzung.

1:13:22 → 1:13:23

Sie ist die kommende Steuer.

1:13:24 → 1:13:27

Sie ist die Steuer der Fremdversorgung.

1:13:27 → 1:13:31

Einer, der bei der Einführung der Mehrwertsteuer

1:13:31 → 1:13:35

in Deutschland mitgewirkt hat, ist Dr. Benediktus Hardorp.

1:13:35 → 1:13:40

Er nennt sie Ausgaben– oder Konsumsteuer und ist der Ansicht,

1:13:40 → 1:13:43

dass diese Steuer die einzige Steuer sein sollte.

1:13:43 → 1:13:47

Ich habe erlebt, dass die Einkommenssteuer ständig Bremswirkungen hat,

1:13:47 → 1:13:54

und die Konsumsteuer zunächst einmal das ganze Leistungsgeschehen sich entwickeln lässt.

1:13:54 → 1:13:58

Die Ausgabensteuer lässt den Menschen die Frage,

1:13:58 → 1:14:05

welche Richtung im Leben er gehen will, deutlicher stellen. Dr. Benediktus Hardorp

1:14:05 → 1:14:08

Götz Werner: Nur Mehrwertsteuer, das wäre am allen einfachsten.

1:14:08 → 1:14:13

Dann braucht man die ganzen Steuererklärungen usw. nicht mehr, dann ist das alles befreit davon.

1:14:13 → 1:14:22

Aber wenn die Steuer nur noch die Mehrwertsteuer ist, wo bleib denn dann der Steuerfreibetrag?

1:14:23 → 1:14:30

Denn der Steuerfreibetrag ist in der Steuerbemessung eigentlich die soziale Komponente.

1:14:30 → 1:14:36

Bei der Mehrwertsteuer zahlt jeder den gleichen Prozentsatz Steuern im Preis, ob arm oder reich.

1:14:36 → 1:14:40

Wie soll das gehen mit der sozialen Komponente?

1:14:40 → 1:14:42

Götz Werner: Ja, dann machen wir folgendes:

1:14:42 → 1:14:47

Dann bekommt jeder für seine Gründbedürfnisse die Mehrwertsteuer rückvergütet.

1:14:48 → 1:14:52

Diese Rückvergütung ist das Grundeinkommen.

1:14:52 → 1:14:54

Der Kreis schließt sich.

1:14:54 → 1:14:56

Wir sind wieder beim Grundeinkommen.

1:14:56 → 1:14:59

Aber nicht mit der Frage: „Wie finanziert man es?“,

1:14:59 → 1:15:02

sondern: „Wie wird die Mehrwertsteuer sozial?“

1:15:02 → 1:15:05

Das Grundeinkommen ist die Vergütung der Mehrwertsteuer

1:15:05 → 1:15:07

für die Grundbedürfnisse als ausgezahlter Freibetrag.

1:15:07 → 1:15:12

Von der Mehrwertsteuer aus ergibt sich das Grundeinkommen als logischer Schritt

1:15:13 → 1:15:18

zu ihrer sozialen Komponente; als ausgezahlter Steuerfreibetrag.

1:15:18 → 1:15:22

Dass der bedingungslos ist, versteht sich nun von selbst.

1:15:24 → 1:15:27

Wie würde sich das konkret auswirken?

1:15:27 → 1:15:29

Wir rechnen das mal durch.

1:15:31 → 1:15:35

Einmal angenommen, das Grundeinkommen wäre 1000.

1:15:35 → 1:15:36

1000 Euro.

1:15:36 → 1:15:38

Und die bekäme jeder.

1:15:38 → 1:15:41

Als ausgezahlter Steuerfreibetrag.

1:15:41 → 1:15:45

Unabhängig davon, wie viel jemand verdient.

1:15:45 → 1:15:51

Wenn ich nichts dazu verdiene, bleibt es bei den 1000 Euro als Gesamtseinkommen.

1:15:51 → 1:15:57

Wer 500 Euro dazu verdient, hätte ein Gesamtseinkommen von 1500 Euro.

1:15:57 → 1:16:05

Wer ein Gehalt von 1000 Euro hat, würde mit dem Grundeinkommen über 2000 verfügen, usw.

1:16:05 → 1:16:11

Jeder erhält in diesem Beispiel 1000 Euro Steuern als Grundeinkommen.

1:16:11 → 1:16:15

Und wie viele Steuern zahlt man dann?

1:16:15 → 1:16:20

Wenn die Steuern auf Arbeit entfallen und die Steuer als Mehrwertsteuer

1:16:20 → 1:16:25

auf das Ergebnis der Wertschöpfung kommt, dann beträgt sie etwa 100%.

1:16:26 → 1:16:31

In den Verbraucherpreisen wäre also etwa die Hälfte ausgewiesene Steuer.

1:16:31 → 1:16:36

Wer etwas für 10 Euro kauft, bezahlt damit 5 Euro Steuern.

1:16:37 → 1:16:42

Wer 1000 Euro ausgibt, hat dabei 500 Euro Steuern bezahlt.

1:16:42 → 1:16:46

1000 Euro aber hat er an Steuern erhalten.

1:16:46 → 1:16:50

Real hat er –500 Euro Steuern bezahlt.

1:16:50 → 1:16:55

Oder anders gesagt: real hat er 500 Euro Steuern erhalten.

1:16:55 → 1:16:58

Wer 1500 Euro ausgibt,

1:16:58 → 1:17:03

zahlt dabei wiederum die Hälfte in den Preisen, 750 Euro, Steuern.

1:17:04 → 1:17:05

1000 hat er erhalten.

1:17:05 → 1:17:11

Real hat er –250 Euro Steuern gezahlt, oder anders gesagt:

1:17:11 → 1:17:16

unter dem Strich mit dem Grundeinkommen 250 Euro Steuern erhalten.

1:17:17 → 1:17:21

Wer 2000 Euro ausgibt, hat dabei 1000 Euro Steuern gezahlt.

1:17:22 → 1:17:27

Und somit real keine Steuern bezahlt, aber auch keine erhalten.

1:17:27 → 1:17:33

Erst wer mehr als das doppelte des Grundeinkommensbetrages ausgibt, zahlt real Steuern.

1:17:33 → 1:17:41

Wer 3000 Euro ausgibt, hat dabei real 500 Euro Steuern gezahlt. Usw.

1:17:42 → 1:17:48

Bei Ausgaben, die doppelt so hoch sind wie das Grundeinkommen, liegt der steuerliche Nullpunkt.

1:17:49 → 1:17:52

Von hier aus findet eine Progression statt.

1:17:52 → 1:18:00

Wer 3000 Euro ausgibt, zahlt dabei einen Anteil von 17% des Betrages an Steuern.

1:18:00 → 1:18:06

Wer 5000 Euro ausgibt, zahlt bereits einen steuerlichen Anteil von 30%.

1:18:07 → 1:18:12

Bei noch höheren Ausgaben geht der Steueranteil bis an die 50%.

1:18:13 → 1:18:18

Und genauso findet auch eine Progression zur anderen Seite statt.

1:18:18 → 1:18:23

Die soziale Progression in der Mehrwertsteuer durch das Grundeinkommen wäre einfach.

1:18:23 → 1:18:26

Und vorallem: wirksam.

1:18:29 → 1:18:39

Phillipe Van Parijs: Gewöhnlicherweise gibt es ein Argument der Linken gegen die Konsumsteuer, nämlich, dass sie regressiv ist.

1:18:39 → 1:18:46

Dass die Ärmeren eine größere Proportion ihres Einkommens bezahlen,

1:18:46 → 1:18:50

wenn es eine Konsumsteuer ist und keine persönliche Steuer.

1:18:50 → 1:18:58

Aber wie die Einkommenssteuer jetzt funktioniert, ist sie jedenfalls auch nicht mehr progressiv.

1:18:58 → 1:19:02

Weil die reicheren Leute auch mehr Möglichkeiten haben,

1:19:02 → 1:19:08

einen Teil ihres Einkommens

1:19:10 → 1:19:16

zu verstecken oder Steuerabschreibungen zu machen.

1:19:17 → 1:19:21

Wer es sich leisten kann, minimiert sein Einkommen vor der Steuer so,

1:19:21 → 1:19:23

dass sie ihn nicht so recht greifen kann.

1:19:24 → 1:19:27

Wer sich das nicht leisten kann, den belastet sie.

1:19:27 → 1:19:33

Letztlich wird sie, wie wir gesehen haben, samt der Progression in die Preise weitergegeben,

1:19:33 → 1:19:37

ohne dass ein Grundeinkommen da den sozialen Ausgleich schafft.

1:19:38 → 1:19:42

Die Einkommenssteuer besteht nur noch aus Augenwäscherei.

1:19:42 → 1:19:46

Oder anders gesagt: Sie erspart das Hinschauen.

1:19:50 → 1:19:55

So sieht es aus, wenn die Steuer in einem Betrag auf das fertige Produkt kommt.

1:19:55 → 1:20:01

Und so, wenn sie als Steuer auf Einkommen schon vorher in den Produktpreis eingerechnet wird.

1:20:02 → 1:20:08

Da machen die Kosten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter knapp die Hälfte im Preis aus.

1:20:08 → 1:20:12

Rechts würden sie etwa ein Viertel ausmachen.

1:20:12 → 1:20:15

Links steht die Arbeit unter einem hohen Kostendruck.

1:20:15 → 1:20:17

Sie macht den größten Anteil im Preis aus –

1:20:17 → 1:20:20

– schnelle Entscheidungen, wer nicht gebraucht wird,

1:20:20 → 1:20:25

alle an der Grenze der Belastbarkeit und kaum Raum, um etwas auszuprobieren.

1:20:25 → 1:20:27

Rechts gäbe es mehr Spielraum,

1:20:27 → 1:20:30

weniger Stress und eher mal den Gedanken,

1:20:30 → 1:20:32

man könne auch jemand mehr anstellen.

1:20:32 → 1:20:36

So wirkt sich die Mehrwertsteuer auf die Arbeit aus.

1:20:36 → 1:20:39

Das Grundeinkommen geht in die gleiche Richtung.

1:20:39 → 1:20:44

Ein Teil der Grundeinkommen ist bereits durch die bestehende Steuer bezahlt.

1:20:44 → 1:20:47

Der andere Teil lässt die Steuer zunehmen

1:20:47 → 1:20:51

und wächst als Grundeinkommen in die privatwirtschaftlichen Erwerbseinkommen.

1:20:51 → 1:20:56

Auch bei denen, die die Waren liefern und die Infrastruktur.

1:20:56 → 1:21:00

Alle Steuer kommt erst auf das fertige Endprodukt,

1:21:00 → 1:21:02

wenn es beim Kunden steht.

1:21:02 → 1:21:06

Wenn also diese Latte Macchiato beim Gast auf dem Tisch steht,

1:21:06 → 1:21:09

dann setzt sich ihr Preis so zusammen:

1:21:10 → 1:21:15

Das untere Drittel ist der Preis für die Herstellung der Latte Macchiato.

1:21:15 → 1:21:18

Das mittlere Drittel der Preis für das Grundeinkommen.

1:21:18 → 1:21:23

Das obere Drittel der Preis für die übrigen staatlichen Aufgaben.

1:21:27 → 1:21:31

Und übrigens: alle Preise sind Einkommen.

1:21:31 → 1:21:34

Das untere Drittel sind die Einkommen derer,

1:21:34 → 1:21:36

die unmittelbar an der Wertschöpfung beteilig sind.

1:21:36 → 1:21:39

Das obere Drittel sind die Einkommen derer,

1:21:39 → 1:21:42

die die Rahmenbedingungen dafür herstellen

1:21:42 → 1:21:44

und die staatlichen Aufgaben erfüllen.

1:21:44 → 1:21:47

Das mittlere Drittel, die Grundeinkommen für alle.

1:21:48 → 1:21:52

Im Vergleich zu heute würden die Kosten der Arbeit in diesem Kaffeehaus

1:21:52 → 1:21:57

nicht mehr knapp die Hälfte im Preis ausmachen, sondern etwa ein Sechstel.

1:21:58 → 1:22:02

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten dabei das gleiche Einkommen –

1:22:02 → 1:22:06

– heute minus Steuern, dann plus Grundeinkommen. ( - Der Preis der Latte Macchiato ist ebenfalls gleich geblieben.)

1:22:12 → 1:22:17

Das Grundeinkommen wächst in das bestehende Einkommen,

1:22:17 → 1:22:20

die Höhe des Gesamtseinkommens verändert sich nicht.

1:22:20 → 1:22:22

So ist das Prinzip.

1:22:22 → 1:22:28

In der Praxis ist das Grundeinkommen eine neue Verhandlungsbasis.

1:22:28 → 1:22:31

Zum Beispiel, wenn es nur noch so wenig ist,

1:22:31 → 1:22:33

was ich bei der Arbeit verdiene.

1:22:33 → 1:22:36

Vielleicht bleibe ich dann lieber zu hause –

1:22:36 → 1:22:38

– und kümmere mich um die Kinder,

1:22:38 → 1:22:41

die ja auch ein Grundeinkommen haben.

1:22:41 → 1:22:44

Oder es lockt mich einfach nur die Hängematte.

1:22:44 → 1:22:46

Nicht im Büro – Zuhause!

1:22:46 → 1:22:49

Wie auch immer – wer innerlich kündigt,

1:22:49 → 1:22:52

kann das mit einem Grundeinkommen auch gleich äußerlich tun.

1:22:52 → 1:22:54

Und sich etwas Eigenes aufbauen.

1:22:54 → 1:22:56

Allein oder mit anderen.

1:22:56 → 1:23:02

Mehr Chancen für bestechende Ideen als für die Bestechung durch Einkommen.

1:23:03 → 1:23:08

Denn 1 Einkommen hat jeder und bringt jeder schon zur Arbeit mit.

1:23:08 → 1:23:10

Da kann man auch mal etwas Neues anfangen.

1:23:10 → 1:23:13

Und man kann die anderen fragen, ob sie mitmachen.

1:23:13 → 1:23:16

Denn die haben auch ein Grundeinkommen!

1:23:16 → 1:23:22

Vielleicht möchte ich aber auch einfach nur meine bisherige Arbeit weitermachen.

1:23:22 → 1:23:27

Das Grundeinkommen schafft mehr gleiche Augenhöhe.

1:23:27 → 1:23:31

Mehr Gewicht für meine eigenen Vorstellungen, wie die Arbeit sein soll.

1:23:31 → 1:23:34

Wirkliche Zusammenarbeit.

1:23:34 → 1:23:39

Und vielleicht muss es dann auch ein bisschen mehr sein, was der Arbeitgeber darauf legt.

1:23:39 → 1:23:43

Es würde sich einiges ändern in der Unternehmenskultur.

1:23:43 → 1:23:45

Wie hoch dann die Erwerbseinkommen sind,

1:23:46 → 1:23:49

das ist eine neue Verhandlungssache.

1:23:49 → 1:23:53

Die Verhandlungssache hat viele Gesichter.

1:23:54 → 1:23:59

Wenn in einer Familie nur einer der Partner ein Einkommen hat, der andere keines

1:24:00 → 1:24:02

und die Kinder Kindergeld,

1:24:02 → 1:24:05

dann hat von dem Einkommen des einen auch der andere ein Einkommen –

1:24:06 → 1:24:07

– und die Kinder.

1:24:09 → 1:24:15

Das Grundeinkommen löst in seiner Höhe das Einkommen aus dem Gruppenzusammenhang

1:24:15 → 1:24:22

von Firma und Familie und richtet es aus dem demokratischen Ganzem auf die einzelne Person.

1:24:23 → 1:24:26

Das Grundeinkommen ist emanzipatorisch.

1:24:26 → 1:24:29

Mehr gleiche Augenhöhe auch in der Familie.

1:24:29 → 1:24:32

Und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

1:24:35 → 1:24:38

Willi und Hans sind Kollegen.

1:24:38 → 1:24:42

Gleiche Firma, gleiche Arbeit, gleiches Einkommen.

1:24:42 → 1:24:44

Wir sind in der Schweiz.

1:24:44 → 1:24:47

10.000 Franken, davon kann man gut leben.

1:24:47 → 1:24:50

Kommt aber auch darauf an, wie viele davon leben.

1:24:50 → 1:24:54

Hans hat eine Familie – eine Frau und zwei Kinder.

1:24:55 → 1:25:00

Einmal angenommen, das Grundeinkommen betrüge in der Schweiz 2.500 Franken

1:25:00 → 1:25:03

und angenommen, Kinder erhielten die Hälfte.

1:25:03 → 1:25:08

Dann hätte die Familie von Hans sein Grundeinkommen –

1:25:09 → 1:25:11

– das seiner Frau –

1:25:13 → 1:25:15

– und das der Kinder.

1:25:15 → 1:25:18

Zusammen: 7.500 Franken.

1:25:18 → 1:25:23

Das Geld musste Hans vorher durch seine Arbeit heranschaffen, damit die Familie versorgt ist.

1:25:23 → 1:25:27

Jetzt könnte er für 2.500 Franken zur Arbeit gehen

1:25:27 → 1:25:31

und hätte mit seiner Familie doch das gleiche wie vorher.

1:25:31 → 1:25:33

Willi lebt alleine.

1:25:33 → 1:25:35

Na ja, er hat noch ein Hund.

1:25:35 → 1:25:38

Aber Hunde haben kein Grundeinkommen.

1:25:38 → 1:25:42

Mit seinem Grundeinkommen hätte Willi noch das gleiche wie vorher,

1:25:42 → 1:25:46

wenn er für seiner Arbeit 7.500 Franken bekäme.

1:25:46 → 1:25:51

Das heißt, Hans ist jetzt deutlich im Vorteil am Arbeitsmarkt.

1:25:51 → 1:25:56

Weil er eine Familie hat, weil es ein Grundeinkommen gibt,

1:25:56 → 1:25:59

weil er eine bessere Verhandlungsbasis hat

1:25:59 → 1:26:02

und seine Arbeit viel günstiger anbieten kann als Willi,

1:26:02 → 1:26:06

ohne dass er und seine Familie deshalb weniger Geld hätten.

1:26:06 → 1:26:10

Was heißt das jetzt für die Höhe der Erwerbseinkommen?

1:26:10 → 1:26:15

Dass für gleiche Arbeit ganz unterschiedliche Einkommen gezahlt werden,

1:26:15 → 1:26:17

das wird nicht so sein.

1:26:17 → 1:26:18

Es wird auch nicht so sein,

1:26:18 → 1:26:23

dass die Höhe des Einkommens sich jetzt alleine an Willi orientiert

1:26:23 → 1:26:24

oder allein an Hans.

1:26:24 → 1:26:28

Sondern da pegelt sich etwas neu ein.

1:26:28 → 1:26:32

Und zwar in der Mitte, bei 5.000 Franken.

1:26:32 → 1:26:36

Gleiche Firma, gleiche Arbeit, gleiches Einkommen.

1:26:36 → 1:26:40

5.000 Franken für Willi und für Hans.

1:26:47 → 1:26:50

Neben der in Geld messbaren Wertschöpfung,

1:26:50 → 1:26:52

gibt es noch eine zweite Wertschöpfung,

1:26:52 → 1:26:54

die sich nicht im Geld misst:

1:26:54 → 1:27:00

die Schaffung unentgeltlicher Werte, soziale, kulturelle, menschliche Werte.

1:27:00 → 1:27:03

Mit der Einführung eines Grundeinkommens

1:27:03 → 1:27:07

würde die Schaffung unentgeltlicher Werte zunehmen.

1:27:07 → 1:27:10

Zum Beispiel in der Gesundheit.

1:27:10 → 1:27:12

Pflege aus Zuneigung.

1:27:12 → 1:27:14

Geistige Aktivität.

1:27:14 → 1:27:16

Zeit für Menschen.

1:27:16 → 1:27:19

Bildung, die stärkt.

1:27:19 → 1:27:22

Freie Forschung auf allen Lebensgebieten

1:27:22 → 1:27:27

und ein freies Unternehmertum für das, was Neues in die Welt bringt.

1:27:28 → 1:27:33

Tätigkeiten, die nicht zu rationalisieren sind und oft auch gar nicht zu bezahlen.

1:27:33 → 1:27:40

Das Grundeinkommen gäbe auch die Muße, wahrzunehmen, worum es einem eigentlich geht.

1:27:40 → 1:27:44

Würde die in Geld messbare Wertschöpfung dadurch abnehmen?

1:27:44 → 1:27:48

Vielleicht, weil manche dann nur noch zwei Tage die Woche zur Arbeit gehen

1:27:48 → 1:27:51

und die restliche Zeit sich um ihre Oma kümmern?

1:27:51 → 1:27:54

– die ja auch ein Grundeinkommen hat.

1:27:54 → 1:28:01

Das würde beim heutigen Grad der Automatisierung nicht zu einem Produktionsrückgang führen.

1:28:01 → 1:28:04

Auf einer gesünderen, angstfreieren,

1:28:04 → 1:28:09

selbstbewussteren und ideenreicheren Gesellschaftsgrundlage

1:28:09 → 1:28:12

erhielte vieles einen neuen Wert.

1:28:12 → 1:28:16

Und vieles würde möglich, was heute in den Startlöchern bleibt.

1:28:16 → 1:28:23

Die wirtschaftliche Dynamik nähme zu und damit auch die in Geld messbare Wertschöpfung.

1:28:31 → 1:28:33

Woran besteht heute der größte Bedarf?

1:28:35 → 1:28:36

Konstantin Adamopoulos: Vertrauen.

1:28:38 → 1:28:41

Und worunter leiden Sie am meisten?

1:28:43 → 1:28:44

Konstantin Adamopoulos: Kälte.

1:28:47 → 1:28:50

Ist das Grundeinkommen eine Phantasie, oder Vernunft?

1:28:52 → 1:28:54

Konstantin Adamopoulos: Ich glaube, das ist rational und wirtschaftlich.

1:28:56 → 1:28:58

Warum haben wir dann noch kein Grundeinkommen?

1:28:59 → 1:29:05

Sascha Liebermann: Es kollidiert etwas, was unser Leben wie ein innerer Kompass leitet,

1:29:05 → 1:29:08

mit den Problemen und Möglichkeiten, vor denen wir stehen.

1:29:08 → 1:29:10

Und wir kriegen das nicht zusammen.

1:29:10 → 1:29:13

Und da wir offenbar noch nicht so weit sind,

1:29:13 → 1:29:17

uns zu fragen, ob an den Überzeugungen etwas nicht stimmt,

1:29:17 → 1:29:23

ob wir nicht sehen müssen, dass die Überzeugung nicht mehr zeitgemäß ist,

1:29:24 → 1:29:27

halten wir an dem fest, was wir haben.

1:29:27 → 1:29:32

Das heißt, wir müssen umso stärker alles – Schule, Universität –

1:29:33 → 1:29:35

– an der Erwerbsorientierung ausrichten.

1:29:35 → 1:29:37

Weil wir sie noch nicht aufgeben können.

1:29:37 → 1:29:39

Das ist eigentlich ein Symptom.

1:29:39 → 1:29:41

Die Verschärfung der alten Vorstellungen in der neuen Lage,

1:29:41 → 1:29:43

in der wir uns befinden mit ihren Möglichkeiten,

1:29:43 → 1:29:47

diese Verschärfung der alten Vorstellungen

1:29:47 → 1:29:51

ist ein Symptom dafür, dass sie uns schon abhanden gekommen sind.

1:29:54 → 1:29:58

Jakob von Uexküll: Es geht ja nicht mehr darum, dass dieses System, was wir jetzt haben, weiter funktioniert.

1:29:58 → 1:30:02

Es geht darum, dass wir Alternativen aufbauen müssen, die sichtbar sind.

1:30:03 → 1:30:06

Ich glaube, da ist die Idee des Grundeinkommens, auch wenn wir da anfangen können,

1:30:06 → 1:30:11

sie jetzt auch regional und lokal zu praktizieren durch Regionalwährungen usw.,

1:30:11 → 1:30:15

da ist diese Idee ein sehr gutes Beispiel für eine alternative Ordnung,

1:30:15 → 1:30:19

die ja nicht etwas völlig Neues und Revolutionäres ist.

1:30:22 → 1:30:25

Eduardo Suplicy: Ein Grundeinkommen ist keine Wohltätigkeit.

1:30:26 → 1:30:28

Es ist keine bloße Unterstützung.

1:30:28 → 1:30:30

Es ist ein Bürgerrecht.

1:30:31 → 1:30:34

Es ist das Recht jeder Person,

1:30:34 → 1:30:37

teilzuhaben am Wohlstand der Nation.

1:30:38 → 1:30:43

Es ist das Werk von Senator Suplicy, dass im brasilianischen Gesetz

1:30:43 → 1:30:49

das bedingungslose Grundeinkommen bereits verankert ist – als Ziel für die Zukunft.

1:30:50 → 1:30:54

In was für Ländern kann man überhaupt über ein Grundeinkommen nachdenken?

1:30:54 → 1:30:55

Helmy Abouleish: Ich glaube, auch in Ägypten kann man das.

1:30:55 → 1:30:57

Man muss es nur ganz anders anschauen.

1:30:57 → 1:31:01

Man kann es nicht vergleichen mit den Modellen, die man für Europa entwickeln kann.

1:31:01 → 1:31:06

Aber ich glaube, es ist sogar sehr wichtig, dass auch für Ägypten anzupassen und anzuschauen.

1:31:06 → 1:31:09

Frage: Wie würde Grundeinkommen wirken auf die Menschen in Ägypten?

1:31:10 → 1:31:11

Abouleish: Erstmal befreiend!

1:31:11 → 1:31:16

Aus einer existenziellen Not würden sie erstmal befreit sein und dann ganz anders

1:31:16 → 1:31:20

in die Zukunft schauen und die Möglichkeiten abschätzen können.

1:31:21 → 1:31:22

Jetzt geht es ums pure Überleben!

1:31:24 → 1:31:29

Warum, Herr Suplicy, setzen Sie sich so für ein Grundeinkommen ein?

1:31:30 → 1:31:32

Eduardo Suplicy: Weil ich die Wahrheit finden will.

1:31:38 → 1:31:41

Ich will den Weg finden,

1:31:41 → 1:31:44

die absolute Armut zu beseitigen,

1:31:44 → 1:31:48

eine gerechte Gesellschaft aufzubauen,

1:31:48 → 1:31:51

die Einkommensverteilung zu verbessern,

1:31:51 → 1:31:55

um Gerechtigkeit herzustellen.

1:31:58 → 1:32:00

Um für den Tag zu kämpfen,

1:32:00 → 1:32:03

am dem alle

1:32:04 → 1:32:05

am Tisch der Brüderlichkeit

1:32:05 → 1:32:07

Platz nehmen dürfen.

1:32:07 → 1:32:12

Wie Martin Luther King es sagte

1:32:13 → 1:32:15

In seiner Rede: „I have a dream.“

1:32:17 → 1:32:21

M. R. King: I have a dream. I have a dream today!

1:32:38 → 1:32:41

Anfangen könnte man mit dem Grundeinkommen bei den Kindern.

1:32:41 → 1:32:44

Zum Beispiel ab Jahrgang 2000.

1:32:44 → 1:32:48

Und mit den Kindern wächst es in die Gesellschaft hinein.

1:32:48 → 1:32:50

Anfangen kann man aber auch beim eigenen Einkommen.

1:32:51 → 1:32:53

Indem man es einmal anders denkt.

1:32:54 → 1:32:59

Götz Werner: Wir rechnen bei der Einkommensvergabe ja nicht das geleistete ab,

1:32:59 → 1:33:05

sondern wir ermöglichen durch das Einkommen den Beitrag zur Gemeinschaft.

1:33:05 → 1:33:09

Ihre Arbeit, die sie leisten und die wir alle leisten, ist immer unbezahlbar,

1:33:09 → 1:33:11

sondern durch das Einkommen wird sie ermöglicht.

1:33:14 → 1:33:18

Anfangen könnte man mit dem Grundeinkommen auch in einer Region.

1:33:18 → 1:33:20

Zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern.

1:33:21 → 1:33:22

Oder in einer Stadt.

1:33:22 → 1:33:24

Zum Beispiel in Greifswald.

1:33:25 → 1:33:32

Stiftungen könnten anfangen, indem sie Menschen finanziell freistellen ohne Bedingungen.

1:33:32 → 1:33:36

Falk Zientz: Das Stiftungswesen, auch der Staat mit seinen Zuschüssen,

1:33:36 → 1:33:39

da wurden Instrumente geschaffen,

1:33:39 → 1:33:44

um freies Geistesleben, um Soziales zu finanzieren.

1:33:44 → 1:33:47

Aber da steht kaum der einzelne

1:33:47 → 1:33:50

Mensch als sozialer Unternehmer im Mittelpunkt

1:33:50 → 1:33:51

oder als kultureller Unternehmer.

1:33:51 → 1:33:57

Sondern da gibt es Projektanträge, da gibt es Strukturen, da gibt es Kriterien zu erfüllen.

1:33:57 → 1:34:02

– Also, es wird nicht ernst gemacht mit dem Individuum.

1:34:02 → 1:34:06

Genau das würde ein Grundeinkommen:

1:34:06 → 1:34:08

ernst machen mit dem Individuum.

1:34:08 → 1:34:12

Dagegen wird behauptet, dass man gerade dem Individuum nicht trauen könne,

1:34:13 → 1:34:18

und die meisten auch keine Ideen hätten von sich selbst und von sich aus nichts tun wollen.

1:34:18 → 1:34:25

Welche Erfahrungen hat die Leiterin des Existenzgründungszentrums für Arbeitslose in Frankfurt am Main?

1:34:25 → 1:34:27

Ellen Bommersheim: Die Ideen sind da.

1:34:27 → 1:34:33

Nur sie sind verschüttet, oft zugedeckt durch Existenzängste, durch falsche Vorstellungen:

1:34:34 → 1:34:38

was kann man im Prinzip machen, was darf gemacht werden, was ist gewollt?

1:34:38 → 1:34:40

Ich bin fest davon überzeugt,

1:34:40 → 1:34:44

dass das Grundeinkommen helfen würde, mehr Potenziale zu erschließen.

1:34:44 → 1:34:48

Das heißt, es kommt ja wieder auch zurück für die Wirtschaft und Gesellschaft.

1:34:48 → 1:34:56

Das ist die Frage: Wie hoch wäre der Return on Investment, wenn es ein Grundeinkommen gäbe?

1:34:56 → 1:34:59

Und der ist, denke ich, sehr hoch.

1:35:00 → 1:35:03

Dann sollten wir mit der Investition mal beginnen.

1:35:03 → 1:35:05

Aber die Investition geht an alle.

1:35:05 → 1:35:07

Auch an die, die ich gar nicht mag.

1:35:09 → 1:35:12

Konstantin Adamopoulos: Das finde ich sogar ganz wichtig.

1:35:12 → 1:35:16

Erich Kitzmüller: Jetzt habe ich mich das ganze Leben abgemüht, mich zu disziplinieren,

1:35:16 → 1:35:21

mich zu trainieren, dass ich irgendwie sinnvoll beschäftigt werden kann,

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und jetzt kommen die da her, diese jungen Leute,

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die überhaupt sich nicht disziplinieren müssen,

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und denen soll nun Geld gegeben werden?

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Das ist ein Skandal!

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Dieses Argument steht eigentlich, glaube ich, hinter der Ablehnung des Grundeinkommens.

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Aber weil das vielleicht nicht so schick ist, nicht so

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gut aussieht, wenn man dieses Argument vorträgt,

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sagt man: Ja, aber wie soll man es finanzieren?

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Anna Katharina Dieterle: Wir haben geschafft dafür, um die Arbeit zu mechanisieren,

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den Menschen frei zu machen, und jetzt stöhnen wir, dass wir keine Arbeitsplätze haben.

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Und niemand sagt uns: Ja, verdammt noch mal,

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dafür haben wir doch die letzten 100 Jahre schwer gearbeitet,

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damit wir nicht mehr schwer arbeiten müssen!

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Sagt keine politische Partei.

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Und das ärgert mich zu Tode.

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Erich Kitzmüller: Das entscheidende Argument ist dann eine ganz persönliche Rache:

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Die anderen sollen es auch nicht besser haben, als ich es gehabt habe.

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Und das wird durch das Grundeinkommen torpediert.

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Also, wenn ich mich von dieser Rache befreie,

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dann tue ich nicht nur etwas für das Grundeinkommen,

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sondern eigentlich auch für die eigene Gesundheit und für meine Fähigkeit als Mitmensch.